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Freiheit, Freiheit…
Wenn Marius Müller-Westernhagen in ausverkauften Hallen seine Hymne „Freiheit, Freiheit - ist das einzige was zählt“ singt, dann träumt sich ein großes Publikum feuerzeugschwenkend in die Sehnsucht ihrer Jugend hinein. Ist das Konzert vorbei, sind alle wieder zu Hause angekommen, dann rückt die Entrückung rasch in die gedankliche Ferne.
Dann ergreift der Alltag mit all seinen Sorgen wieder Besitz von den eben noch tief ergriffenen Seelen. Der Alltag. Das ist bestenfalls öde. Langweilig. Tot. Manchmal voller Schrecken. „Angst essen Seele auf“ textete Rainer Werner Fassbinder. Und „Angst sich zu wehren. Angst alleine zu sein. Angst vor der Angst. Wir schlafen ein.“ sekundierte Herbert Grönemeyer später.
Das Nachdenken über Freiheit und Angst ist so alt wie die Sehnsucht der Menschheit nach einer selbstbestimmten und glücklichen Zukunft. An intellektuellen Freiheitsbüchern, aus denen lernen kann, wer will, mangelt es auch heute in Deutschland nicht. Die Spannbreite reicht von Sahra Wagenknecht bis Joachim Gauck. Ein Klassiker ist „Die Verfassung der Freiheit“ (1960) von Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek.
Er beginnt das Buch mit einem Zitat von H. B. Phillips: „Unsere Einstellung zu dieser Frage muss davon abhängen, ob wir die Zivilisation als etwas Gegebenes oder als etwas sich Entwickelndes betrachten. In einer fortschreitenden Gesellschaft verhindert jede Beschränkung der Freiheit die Zahl der Dinge, die versucht werden, und damit die Geschwindigkeit des Fortschritts. In einer solchen Gesellschaft wird dem Einzelnen Handlungsfreiheit gewährt, nicht weil ihm dies größere Befriedigung gibt, sondern weil er, wenn er seinen eigenen Weg gehen darf, den Übrigen im Großen und Ganzen besser dienen wird, als wenn er nach irgendwelchen Befehlen handelte, die wir ihm zu geben wüssten.“ Das Problem ist nicht, wer über wen herrscht, sondern wie viel Herrschaft die Herrschenden überhaupt ausüben dürfen. Auch reine Demokratie ohne Beschränkungen staatlichen Handelns tendiert grundsätzlich zur Unterdrückung, zur totalitären Demokratie, zur Diktatur der Demokratie.
Der österreichische Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse Viktor Frankl, der im Holocaust zwar seine Familie verlor, aber selbst überlebte, verarbeitete seine KZ-Haft in dem Buch „... trotzdem Ja zum Leben sagen“.
Sein Vermächtnis kann man so zusammenfassen:
1. Mensch sein ist Freiheit und Verantwortung.
2. Du hast immer die Wahl.
3. Die Konsequenzen sind die Kinder der Wahl.
Das kommt Ihnen bekannt vor? Klar! Das ist unternehmerisches Selbstverständnis.
Frankl's Schüler Uwe Böschemeyer brachte im Ecowin-Verlag kürzlich einen österreichischen Bestseller heraus: „Machen Sie sich bitte frei: Entdecken Sie Ihre Furchtlosigkeit“. Zukunft gestalten immer junge Leute, die keine Angst haben auszubrechen, die sich vorm Blamieren nicht genieren, die aufs Eis gehen, ohne Angst zu erfrieren. Ich fragte Uwe Böschemeyer: Wohlfahrtsstaat und Verbraucherschutz verstehen sich als Beschützer vor möglichst jedem Risiko. Bedeutet das Überziehen dieses Anspruchs nicht, dass man dem Menschen die Chance nimmt, an Herausforderungen zu wachsen und an Krisen zu reifen? Seine knappe Antwort war: „Eindeutig Ja! Dazu kann ich nichts ergänzen.“
Das sollte uns allen zu denken geben.







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