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Kopfstoß als Kunstform
Von: Ansgar Lange Lennox mischt wieder die Unterwelt von Glasgow auf
Der schottische Krimiautor
Craig Russell ist bekannt aufgrund seiner Jan-Fabel-Reihe. Vor sieben Jahren veröffentlichte der gelernte Werbetexter seinen ersten Thriller „Blutadler“, in dem er den Protagonisten der Serie, den Hamburger Krimanalhauptkommissar Jan Fabel einführte. Im Oktober 2010 strahlte die ARD den Krimi „Wolfsfährte“ (Hauptrolle Peter Lohmeyer) nach dem zweiten Teil der Serie aus.
Ein harter Mann in einer harten Stadt in einer harten Zeit
Nach Abschluss der Fabel-Reihe stürzte sich Russell in die Unterwelt Glasgows in den 1950er Jahren. Der kanadische Privatdetektiv Lennox ist ein harter Mann in einer harten Stadt in einer harten Zeit. Schon der erste Lennox-Band bestach durch Spannung, Humor, interessante Charaktere und viel Atmosphäre. Keine Frage, Philip Marlowe, Lew Archer und Sam Spade haben bei Lennox Pate gestanden. Es gibt zwar einige Gewaltszenen, doch auf peinliche Sexszenen verzichtet der Autor dankbarer Weise.
Jetzt ist endlich der zweite Teil mit dem Titel
„Lennox’ Rückkehr“ auf Deutsch erschienen. Schon der erste Satz des Romans gibt den Sound vor: „Manche Dinge sind dem Glasgower fremd. Salat. Zahnpflege. Versöhnlichkeit“. Dafür hat die Stadt andere schöne Dinge zu bieten: „Athen war die Wiege der Demokratie, Florenz hat der Welt die Renaissance geschenkt, und Glasgow hat den Kopfstoß zu einer Kunstform entwickelt.“ In seinem neuen Fall hat Lennox es eigentlich gleich mit mehreren Fällen zu tun. Wenn Lennox mal gerade nicht lukrative Scheidungsangelegenheiten auf etwas unsaubere Weise detektivisch manipuliert, handelt er im Auftrag der „Drei Könige“. Das sind nicht die heiligen Drei Könige, sondern die fiktiven Gangsterbosse Glasgows in den düsteren 1950er Jahren. Small Change MacFarlane, Glasgows erfolgreichster Buchmacher und Vater von Lennox’ aktueller Geliebter, wird ermordet. Man will Lennox nun den Mord anhängen, worauf dieser mit seinen Ermittlungen beginnt. Es kommt zu zahlreichen Verwicklungen mit schönen Hauswirtinnen und noch schöneren Auftraggeberinnen, mit korrupten Bullen und ehrlichen amerikanischen Agenten, in regelmäßigem Abstand lässt sich Lennox vermöbeln und vermöbelt mindestens ebenso häufig andere, die Zigaretten qualmen, der Fusel rinnt die Kehle runter, das Essen schwimmt im Fett, die Fäuste fliegen. Zudem geht es um illegale Boxkämpfe, die Rache einer dem fahrenden Volk zugehörenden Sippe und verschiedene andere Dinge.
Genuss der saloppen Sprache
Manchmal verliert man beim Lesen ein bisschen den Faden, doch wie in den Romanen Raymond Chandlers kommt es nicht in erster Linie darauf ein, ein kriminalistisches Rätsel zu lösen. Dazu gibt es Agatha Christie. Wichtiger ist der Genuss der saloppen Sprache und die Schilderung der Geschichte von Lennox, der durchaus ein gebrochener Held ist. Da er wie der zur damaligen Zeit populäre Leinwandheld Jack Palance aussieht, hat er durchaus Schlag bei den Frauen. Doch Lennox weiß selber, das ihn die Teilnahme am Zweiten Weltkrieg zu einem recht rohen Gesellen gemacht hat, dem der Einsatz seiner Fäuste und Füße bei der Malträtierung seiner meist schuldigen Opfer ordentlich viel Spaß macht.
Fast romantisch
Spaß macht auch das Lesen. Auch wenn die Handlung längst vergessen ist, hat man den düsteren Helden in seiner nur selten sonnigen und in der Regel regnerischen Stadt vor Augen. Am Ende des Romans wird es für einen Satz romantisch. Lennox fasst sich ein Herz und klopft an die Tür der Kriegerwitwe Fiona White, seiner Vermieterin. Im hoffentlich nächsten Fall hätten wir nichts gegen eine kleine Romanze mit der schönen, aber sehr distanzierten Dame einzuwenden – wohl wissend, dass Lennox den Versuchungen, die am Rande seiner Fälle auf ihn lauern, auf Dauer sowieso nicht widerstehen kann.
Craig Russell: Lennox’ Rückkehr. Bastei Lübbe GmbH und Co. KG, Köln 2012. 397 Seiten, 8,99 Euro. ISBN 978 – 3 – 404 – 16627 – 5.








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