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Hessen dümpelt auf hohem Niveau
Streiflichter: Finanzplatz Frankfurt, Opel und Offenbach
Kaum zu glauben, dass die ursprünglich einzige in Europa heimische Schildkröten-Art gerade am Rhein als Massentierart galt. Heute würde wohl kaum einer die europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) dort vermuten. Und doch sicherte sie im Mittelalter die Verpflegung der einfachen Bevölkerung während der Fastenzeit. Doch die harten Zeiten sind vorbei, und die Hessen müssen auch nicht hungern. Im Gegenteil. Wirtschaftlich gesehen dümpelt das Land auf hohem Niveau.
Im zweiten Regionalranking der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) von 2009 kristallisierte sich wieder Frankfurt als wirtschaftlich starkes Zentren heraus. Auf den Plätzen drei und fünf liegen die hessischen Kreise Hochtaunuskreis und der Main-Taunus-Kreis, die von ihrer geografischen Nähe zum Finanzzentrum Frankfurt profitieren.
Wieder wie 2006
Der Finanzplatz Frankfurt hat sich nach dem Schock vom Herbst vergangenen Jahres deutlich erholt. Das Finanzplatzbarometer der Frankfurt School ist wieder auf dem zuletzt im Jahr 2006 erreichten Niveau. Die Banken und andere Unternehmen haben in den Rekordjahren 2007 und 2008 jeweils 1,7 Mrd. Euro Gewerbesteuer an die Stadtkasse überwiesen.
Selbst wenn diese Steuereinnahmen wie erwartet um knapp 40 Prozent schrumpfen, bliebe aus dieser Quelle noch mehr als eine Milliarde, so der SPIEGEL. So plane Frankfurt unverdrossen am unterirdischen Anbau für das Kunstmuseum Städel oder an der Restaurierung des „Gesellschaftshauses“ im Palmengarten. Die Deutsche Bank unterstützt die Goethe-Universität für drei weitere Jahre mit 1 Mio. Euro jährlich, um den Standort zu stärken. Bis zu ihrem 100-jährigen Bestehen im Jahr 2014 soll sie zur „modernsten Universität Europas“ ausgebaut werden.
Wie geht es Opel?
Das hessische Rüsselsheim hat seinen guten Klang verloren. Opel will sich mit milliardenschweren Staatshilfen und massivem Stellenabbau sanieren. Bund und Länder sollen sich nach den Vorstellungen des Autobauers mit 1,5 Mrd. Euro an der Sanierung beteiligen. In Deutschland will Opel mehr als 3 900 Stellen streichen. Für 2012 plant der Autobauer, der zum führenden Hersteller umweltfreundlicher Autos in Europa aufsteigen will, wieder Gewinne ein. Das Unternehmen benötigt insgesamt 2,7 Mrd. Euro in Form von Krediten oder Bürgschaften, so Opel-Chef Nick Reilly.
„Das Jahr 2010 wird für die hessische Wirtschaft zur Nagelprobe. Aktuell mehren sich zwar die Anzeichen für eine konjunkturelle Erholung. Erst im Jahresverlauf wird sich allerdings zeigen, wie nachhaltig diese Entwicklungen sind“, kommentiert Hubertus Hille, Konjunkturexperte der hessischen IHKs, die Konjunkturumfrage der Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie- und Handelskammern im Frühjahr 2010.
Die Pleitestadt
Offenbach, südlich von Frankfurt, ist aber ein Paradebeispiel für jene ehemaligen Industriestädte, die schon seit Jahrzehnten riesige Schuldenberge vor sich her schieben. Die Lederindustrie floriert nicht mehr, Neues kam nicht nach. Die Sozialstruktur ist ungünstig, die Gewerbesteuereinnahmen mäßig. Ausgerechnet Offenbach verzichtet seit Jahresbeginn auf Einnahmen von rund 1 Mio. Euro aus der Getränkesteuer, wie der SPIEGEL herausfand: „Die mitregierende FDP hatte den Wirten vor der letzten Kommunalwahl versprochen, dass der Obolus für Bier, Wein und Hochprozentiges verschwinden werde.“ Politiker machen mitunter gerne Versprechungen, auf allen Ebenen.
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Leserbrief
Zu: P.T. Magazin 3/2010
„Das Magazin liest sich kurzweilig, ist persönlich im Stil und kritisch. Interessant sind die Berichte und Anzeigen der vielen Mittelständler. Sie sind informativ und stellen ein gutes Medium dar, um neue Kontakte zu knüpfen.“
Christian Kalkbrenner

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