- Wirtschaft + Politik
- Regional
- Kultur
- Service
- Media-Daten
- Anzeigen-Galerie
- Ausgabe Juli/August 2010
- Ausgabe Mai/Juni 2010
- Ausgabe März/April 2010
- Ausgabe Januar/Februar 2010
- Ausgabe November/Dezember 2009
- Ausgabe September/Oktober 2009
- Ausgabe Juli/August 2009
- Ausgabe Mai/Juni 2009
- Ausgabe März/April 2009
- Ausgabe Januar/Februar 2009
- Ausgabe November/Dezember 2008
- Ausgabe September/Oktober 2008
- Ausgabe Juli/August 2008
- Cover-Galerie
- P.T. Magazin-Archiv
- P.T. Abo
- P.T. Autoren
- Leserbriefe
- News-Archiv
- Shop
Gesundheitsprämie – konsequent
Interview mit Jochen Heumos, kaufmännischer Chef der Fontane-Klinik Motzen, Brandenburg

Jochen Heumos, kaufmännischer Chef der Fontane-Klinik Motzen (Foto: Fontane-Klinik Motzen)

(Foto: © Ute Gräske/PIXELIO)
Die Fontane-Klinik spielt qualitativ in der oberen Liga der Reha-Einrichtungen. Die Klinik ist sowohl auf Sucht-Therapien als auch auf die Behandlung psychosomatischer Erkrankungen spezialisiert. Die Sucht-Therapie verfügt über 135 Plätze für Erwachsene und zwölf für Jugendliche, bei der psychosomatischen Abteilung sind es 81 zu 24. Dieser Bereich entwickelt sich deutlich. Die Kostenträger sind die Rentenversicherungen. Das macht das Unternehmen von der Diskussion um die Gesundheitsversorgung durch die Krankenkassen unabhängig.
P.T. Magazin: Was halten sie von der Gesundheitsprämie?
Heumos: Natürlich ist die reine Form der Röslerschen Gesundheitsprämie eine gewisse Entsolidarisierung – nur, diesen Weg gehen wir in allen Sozialversicherungen schon seit langem! Ein paar Beispiele: Zahnersatz, Brillen, Dauer ALG I, Abschaffung der Berufsunfähigkeitsversicherung in der Rentenversicherung für nach 1961 Geborene, höhere Pflegekassenbeiträge für Kinderlose, zeitliche Abstände zwischen zwei Rehabilitationsmaßnahmen, Angebote von Krankenzusatzversicherungen. Insofern halte ich diesen Weg nur für konsequent.
P.T. Magazin: Warum hat die Pharmaindustrie so ein schlechtes Image?
Heumos: Die Pharmaindustrie hat nicht generell ein schlechtes Image. Sie gilt sowohl als guter Arbeitgeber als auch Steuerzahler und an der Börse als sichere Bank. Die Politik möchte gerne von ihren eigenen Unzulänglichkeiten und Entscheidungsschwächen ablenken und projiziert deshalb viel „Schlechtes“ auf die Pharmaindustrie.
P.T. Magazin: Warum sind die Arzneikosten in Deutschland in den letzten Jahren so gestiegen?
Heumos: Die Deutschen im Allgemeinen sind arzneimittelgläubig! Für Alles und Jedes muss es eine Pille geben, und der Arzt muss diese nach dem neuesten Stand der Forschung vertreiben:
Statt gesundem Essen lieber eine Pille gegen Übergewicht, statt Bewegung lieber ein Herz-Kreislaufmittel, statt Nichtraucher zu werden lieber ein Mittel gegen Krebs, statt angemessenem Alkoholkonsum lieber eine Anti-Craving-Substanz, statt „einfach mal abschalten“ lieber eine Kopfschmerztablette und statt Tagesform zu akzeptieren lieber ein Aufputschmittel.
Diese Medikamentenforschung und der anschließende Verkauf erfolgen folgerichtig unter marktwirtschaftlichen Aspekten: hohe Nachfrage = hoher Preis.
P.T. Magazin: Was ist der Unterschied zwischen Gesundheitswesen und Gesundheitsmarkt?
Heumos: Das institutionelle Gesundheitswesen hatte eine überwiegend starke Gemeinwohlorientierung. Früher waren fast ausschließlich alle Krankenhäuser, Reha-Kliniken, Alten- und Pflegeheime in staatlicher Trägerschaft. Es war also egal, ob das Ergebnis ausgeglichen oder negativ war, der Träger hat den Verlust aus Steuermitteln ausgeglichen, manchmal direkt (kommunales Krankenhaus, Reha-Kliniken in KV- oder RV- Trägerschaft), manchmal indirekt (Zahlungen an gemeinnützige Träger wie DRK, Caritas, Diakonie etc.).
Spätestens seit Ende der 1970er Jahre haben sich Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherungen wegen Geldmangel aus dem Gesundheitswesen zurückgezogen und andere Marktteilnehmer zugelassen. Zuerst nicht ganz so deutlich und in einzelnen Teilsegmenten (niedergelassene Ärzte, Altenpflege, Rehabilitation), seit etlichen Jahren deutlich transparenter (Krankenhäuser, universitäre Forschung).
Und eines müssen privatwirtschaftlich orientierte Marktteilnehmer machen: Geld verdienen. Ihre jährliche Gewinn-und-Verlust-Rechnung darf zumindest nicht über einen längeren Zeitraum einen negativen Saldo ausweisen, ansonsten gehen sie insolvent – und hier hilft dann keine öffentliche Hand.
Dieser Gesundheitsmarkt hat nach meinem Kenntnisstand inzwischen im übrigen mehr Beschäftigte als die Auto- oder Chemieindustrie.
zurück
Ideale Lösungen entstehen aus Ideen (Teil 2)
Es macht mich sehr stolz, Erfolg zu haben mit dem Innovations-Freiraum, den ich meinen Mitarbeitern... [mehr]
Pflegeberufe im Wandel: der Trend geht zur Selbständigkeit
Steinburg, Juli 2010 - Die bundesweit tätige Pflegeagentur mit Sitz in Schleswig-Holstein reagiert... [mehr]
„Morgens nur mit Wasser erfrischen“
Hamburger Dermatologin Prof. Dr. Martina Kerscher gibt im Magazin Reader’s Digest wertvolle... [mehr]
Leserbrief
Zu: P.T. Magazin 3/2010
„Das Magazin liest sich kurzweilig, ist persönlich im Stil und kritisch. Interessant sind die Berichte und Anzeigen der vielen Mittelständler. Sie sind informativ und stellen ein gutes Medium dar, um neue Kontakte zu knüpfen.“
Christian Kalkbrenner

drucken
Kommentar







