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Die 10 Gebote für ein gesundes Unternehmen
Von der Natur lernen und langfristigen Erfolg schaffen
Das wirtschaftliche Rückgrat unseres Landes und der Hoffnungsträger für neu zu schaffende Arbeitsplätze sind die kleinen und mittelständischen Unternehmen. Nur durch ein ganzheitliches Verständnis von Unternehmensführung sind Unternehmen heute in der Lage, ihre eigene Konjunktur zu gestalten und zu beeinflussen. Wir befragten dazu Dr. Dr. Cay von Fournier, seit seinem 22. Lebensjahr Unternehmer, Mediziner und Wirtschaftswissenschaftler, gefragter Referent zu Mittelstandsthemen und Eigentümer des SchmidtColleg (www.schmidtcolleg.de).
Herr von Fournier, in welcher Lage befinden sich denn aktuell die mittelständischen Unternehmer und Unternehmen?
Cay von Fournier: In einer Zeit des Wandels, aber das war schon immer so und wird auch immer so bleiben. Natürlich sind derart heftige Veränderungen, wie wir sie derzeit erleben, für alle schwer greifbar. Viel wird über die Krise gesprochen und geschrieben. Ich spreche lieber von herausfordernden Zeiten. Denn letztlich ist jede Krise ein Weckruf, der viele Chancen herausstellt, die sich daraus ergeben, die aber viel zu wenig genutzt werden.
Gerade jetzt bieten sich gute Möglichkeiten, längst fällige Veränderungen zu bewirken, Innovationen umzusetzen, neue Strategien zu entwickeln, die Unternehmenskultur auf den Prüfstand zu stellen und Unternehmensstrukturen zu verbessern.
Die Zukunft will gestaltet sein. Das Problem dabei ist: Die Angst und Scheu vor Veränderungen. Die Macht der Gewohnheit ist groß.
Sie sprechen in ihren Vorträgen oft von den zehn Geboten für ein gesundes Unternehmen und wie diese damit langfristig Erfolge schaffen können. Was hat es damit auf sich und wie lauten sie?
Cay von Fournier: Ich betrachte Unternehmen als vielschichtige Organismen, deren Führung neben wirtschaftlicher Kompetenz auch ein moralisches Wertefundament braucht.
Dem Sturm des Wandels widerstehen nur gesunde Unternehmen mit tiefen Wurzeln und gesunde Menschen mit der Fähigkeit, zu führen. Wichtig dafür sind einfache Grundregeln, wie sie auch die zehn Gebote für gesunde und erfolgreiche Unternehmen aufzeigen, denn sie sind im Tagesgeschäft direkt umsetzbar und schaffen so langfristigen Erfolg.
Sie lauten: Sei kreativ! Biete echten Nutzen! Sei anders als andere! Investiere! Sei konsequent! Sei einfach! Verbessere ständig! Stärke die Stärken! Führe mit Werten! Lebe in Balance!
Betrachten wir gemeinsam das erste Gebot: Sei kreativ! Wie gelingt es Unternehmen, wirklich kreativ zu sein?
Cay von Fournier: Kreativität ist weder ein neuer Trend noch ein neues Gesetz – sie ist so alt wie die Menschheit selbst. Alles beginnt mit der Kraft der Schöpfung. Kreativität ist ein Teil dieser göttlichen Kraft, Dinge ins Leben zu rufen, die es noch gar nicht gibt. Ohne neue Gedanken, ohne Querdenken, ohne Innovation und ohne Andersartigkeit wird es für Unternehmen keine Einmaligkeit geben.
Wenn alle Unternehmen gleich sind, dann sind sie austauschbar und müssen den Wettbewerb über den Preis führen. Kreativität entsteht durch Fragen als Auslöser von Denkprozessen: Machen wir das richtige Geschäft? Wie verändert sich der Markt um uns? Gibt es neue Produkte, Dienstleistungen?
Das zweite Gebot beschäftigt sich damit, echten Nutzen zu bieten. Wollen das nicht alle Unternehmen?
Cay von Fournier: Es scheint fast eine Selbstverständlichkeit zu sein, dem Kunden einen echten Nutzen bieten zu wollen. Aber die Realität in vielen Unternehmen zeigt, dass dieses Gebot nur unzureichend verfolgt wird.
Das Wichtigste kommt häufig zu kurz: Der Kunde und dessen Nutzen. Im Mittelstand verhindert oft die operative Hektik, sich systematisch und kontinuierlich mit den Wünschen und Bedürfnissen der Kunden auseinanderzusetzen. Auf diese Art und Weise werden viele Kunden verloren. Und es braucht in der Folge umso mehr Zeit, diese zurück- oder immer neue Kunden hinzuzugewinnen.
Sei mutig anders als andere! Dazu rufen Sie im dritten Gebot die Unternehmen auf. Wie schaffen Unternehmen es, nicht in der Masse anderer Anbieter unterzugehen?
Cay von Fournier: In diesem Gebot vereinen sich zwei zentrale Wesenszüge guter Unternehmen: Mut und Andersartigkeit. Beide Werte führen zu dem Vorteil, sich im eigenen Markt unterscheidbar zu machen. Erfolgreiche Andersartigkeit bedeutet vor allem eines: Veränderung. Und für Veränderung braucht es vor allem eine Eigenschaft: sehr viel Mut. Mut macht Unternehmen nicht nur andersartig, mutige Unternehmen unterscheiden sich häufig auch in dem, wie sie Dinge angehen.
Mutige Unternehmen folgen mehr ihren Überzeugungen als Marktstudien – auch, wenn dies kein Freibrief für rein emotionales Handeln sein soll.
Das richtige Augenmaß ist entscheidend. Dann allerdings ist es mutig, sich auf den Weg zu machen, eine Vision zu entwickeln, diese mit Verstand zu prüfen, zu kommunizieren und schließlich in die Tat umzusetzen.
Kommen wir zum vierten Gebot: Investiere! Das ist gerade in der aktuellen Situation nicht so leicht anwendbar, oder?
Cay von Fournier: Sparsamkeit ist ein Wort mit zwei Bedeutungen. Wenn damit gemeint ist, Verschwendung zu vermeiden, dann ist Sparen ein sehr wertvoller Vorgang. Meistens wird damit aber reduziertes Investieren gemeint, was einer Reduktion der Lebensenergie gleichkommt.
So wie der Organismus stirbt, wenn er sich seiner Energie beraubt, so geschieht es auch den Unternehmen, die Sparen zu einer Strategie gemacht haben. Sie leben in diesem Moment von der Substanz. Ihnen fehlt es an Energie und Kreativität, Neues hervorzubringen.
Sei konsequent! Haben Sie einen Tipp für unsere Leser, wie sie das fünfte Gebot einhalten, also vom Wollen zum Tun kommen?
Cay von Fournier: Disziplin ist der Sieg des Willens über unseren Trieb. Sobald wir anfangen, einen höheren Sinn für unser Leben zu definieren, können wir meist auch leichter diszipliniert unsere Ziele verfolgen. Der Unterschied zwischen einem erfolgreichen und einem weniger erfolgreichen Unternehmen ist immer eine Frage der Konsequenz. Immer dann, wenn wir ein Ziel konkret formuliert haben, muss auch konsequent gehandelt werden.
Wenn dies nicht geschieht, verlieren wir an Glaubwürdigkeit. Erst wenn wir auch meinen, was wir sagen, und tun, was wir meinen, schaffen wir Glaubwürdigkeit und Vertrauen. Wer kennt nicht das Problem des guten Vorsatzes? Das Gegenteil von „gut“ ist eben nicht unbedingt „schlecht“, sondern „gut gemeint und nicht gehandelt“.
Ob Autos, Bedienungsanleitungen, zwischenmenschliche Beziehungen, Kaufverträge, Gesundheitsversorgung, Behörden oder Unternehmen: Alles wird immer komplizierter. Sie fordern im sechsten Gebot: Sei einfach!
Cay von Fournier: Genau! Und es ist anscheinend viel schwieriger, einfache Lösungen zu finden, als die Dinge kompliziert zu machen. Doch es entspricht dem Gesetz der Ökonomie, dass Ziele mit einem möglichst geringen Aufwand an Zeit, Energie und Geld erreicht werden sollten.
Eine Balance zwischen den beiden Elementen Einfachheit und Komplexität ist enorm wichtig. Schnell zu sein allein reicht nicht aus. Viel wichtiger ist es, schnell am richtigen Ort zu sein. Hierbei hilft Ihnen Einfachheit, denn es befreit von Unwesentlichem und Verschwendung.
Verbessere ständig! Ist das, was das siebente Gebot fordert, in den Unternehmen nicht sowieso der Fall?
Cay von Fournier: Nicht automatisch! Es gibt nichts in einem Unternehmen, was nicht besser werden könnte. Diese Einstellung treibt alle erfolgreichen Unternehmen an.
Das Prinzip der ständigen Verbesserung ist ein ganz natürliches Prinzip, denn auch die Natur entwickelt sich nur durch Innovation weiter. Nicht zuletzt sind wir Menschen selbst das Ergebnis einer ständigen Verbesserung. So wie heute in sehr guten Produktionsunternehmen Maschinenteile getauscht werden, bevor sie defekt werden, so tauscht auch der Körper permanent seine Zellen aus.
Wenn es einem Unternehmen gelingen würde, sich in ähnlicher Form immer wieder zu erneuern und Schäden so elegant zu beheben, dann wäre dieses Unternehmen allen anderen überlegen.
Zählt das achte Gebot – Stärke die Stärken! – eher für das Unternehmen oder für die Mitarbeiter im Unternehmen?
Cay von Fournier: Für beide und nicht nur das – es zählt auch für den Unternehmer und die Führungskräfte. Das Gebot, sich auf seine Stärken und die Stärken seiner Mitarbeiter zu konzentrieren, klingt zwar selbstverständlich, wird jedoch selten in der Praxis genutzt.
In den Köpfen der Menschen dominiert bei der Aus- und Weiterbildung die Sicht auf die Schwächen. Wir meinen, lernen zu müssen, was wir nicht können oder wo wir Defizite haben.
Anders in der Natur: Diese konzentriert sich ausschließlich auf die Stärken der einzelnen Lebewesen. Diejenigen, die etwas am besten machen, haben die größere Chance zu überleben und Nachkommen zu haben. Indem wir beginnen, die Mitarbeiter in den Mittelpunkt zu stellen und uns auf ihre Stärken konzentrieren, ändern wir auch die Führungskultur im Unternehmen.
Vorbei die Zeit, da die zehn Gebote Gottes einen festen ethischen Maßstab für alle bildeten. Heute glaubt man an das System der Marktwirtschaft, an dessen Leistungskraft und den eigenen Erfolg. Sie rufen im neunten Gebot dazu auf: Führe mit Werten! Kann dies heute gelingen?
Cay von Fournier: Trotz allen emsigen wirtschaftlichen Handelns zeigt sich gerade in der aktuellen und wirtschaftlich herausfordernden Situation, dass die Frage nach praktisch gelebten Werten so bedeutsam und drängend wie nie zuvor ist.
Menschen verlieren zunehmend das Vertrauen in Wirtschaft und Politik. Es fehlen Vorbilder, und es fehlt Führung. Eine wertvolle Führung folgt Grundsätzen, die sich von den Kardinalstugenden ableiten. Folgende sieben Werte bilden für mich die Grundlage für eine gute Menschenführung: Gemeinschaft, Willenskraft, Ruhe, Gerechtigkeit, Vertrauen, Optimismus und Wertschätzung. Hier wird deutlich, wie sehr der eigene Charakter und die Persönlichkeit Einfluss auf die Führung nehmen.
Kommen wir zum letzten der zehn Gebote: Lebe in Balance! Was verstehen Sie als Arzt und Unternehmer darunter?
Cay von Fournier: Eine der größten persönlichen Aufgaben des Menschen ist es, Balance zu finden und vor allem in Balance mit unserem Körper und unserer Seele zu leben. Sie repräsentieren die zwei Welten, aus denen wir kommen, eine geistige und eine materielle. Beides sind wir, und daher muss beides in Einklang gebracht werden, um uns weiterzuentwickeln. Wir verstehen die Welt nur durch unsere Sinne und somit unseren Körper.
Das Leben ist ein großes Geschenk. Leider nehmen wir es als selbstverständlich und vergessen daher jeden Tag, dankbar zu sein. Doch ohne Dankbarkeit gibt es keine Wertschätzung, ohne Wertschätzung gibt es keine Achtsamkeit, ohne Achtsamkeit gibt es keine Erkenntnis, und ohne Erkenntnis gibt es keine Weiterentwicklung.
Weitere Infos erhalten Sie unter www.schmidtcolleg.de oder per E-Mail an
info[at]schmidtcolleg.de.
Cay von Fournier
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Christian Kalkbrenner

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