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Die amerikanische Automobilwirtschaft ist besser als ihr Ruf, oder?
In den 60er und 70er Jahren bauten die Amerikaner Legenden, die heute für Autosammler und Liebhaber ein Tummelbecken der Muscle-Car-Ära sind und auf den Oldiebörsen noch Traumrenditen erwirtschaften. Die 80er und die 90er Jahre gehörten in den USA den Japanern. Selbst die amerikanischen Verfechter des „American Way of Life“ hatten sich den amerikanischen Modellen in dieser Zeit verweigert.
„Veraltet, fehlerhaft verarbeitet, charakterloses Design“, kommentierte die Mehrheit der amerikanischen Verbraucher das heimische Automobilangebot von Chevrolet bis Saturn. Toyota, Honda und Nissan machten gute Geschäfte und wuchsen in dieser Zeit überproportional schnell. Im zweiten Schritt eröffneten die Japaner Produktionsstätten ihrer Marken auf US-Boden.
Die Oberklasse hingegen war und bleibt deutsch besetzt. Wer etwas auf sich hielt, fuhr Mercedes, BMW oder Porsche. Später kam Audi dazu. Cadillac war out, lediglich Lincoln aus dem Hause Ford war noch als Nobelmarke „Made in USA“ gesellschaftsfähig. Die amerikanische Automobilindustrie verschlief so jeden Trend, der anderen die Kassen füllte.
Halden voller Monster
Das US-Management vergaß, seine Marken zu emotionalisieren, man unterließ es, spritsparende Modelle zu entwickeln, tat nichts für das Qualitätsmanagement und fand zu keiner eigenen Formensprache, die gerade in der Muscle-Car-Ära das Unverwechselbare eines automobilen Traums ausmachte. Sensationelle Marken wie Oldsmobile und Plymouth verschwanden vom Markt.
Ich war im Herbst letzten Jahres in den USA automobil unterwegs und hatte das Gefühl, dass das Erwachen zu spät erfolgte. Riesige Halden bei General-Motors-Dealern von unverkäuflichen Monstern, die sprit- und ressourcengierig fußballfeldgroße Plätze füllen, hatten die Dealer teilweise finanziell bis an den Rand des Ruins gebracht. Die aktuellen Modelle waren zwar ansehnlicher, aber weder emotional noch besser verarbeitet noch technisch perfekt.
Neben dem desaströsen General Motors-Konzern ist dagegen Ford relativ gut aufgestellt. Ford ist mit Lincoln und Mercury als differenzierten Marken positioniert. Allein drei Ford-Modelle lassen auch deutsche Autofahrer sehnsuchtsvoll träumen. Der SUV Ford Edge in der Größe eines Audi Q5 ist ein „durchdesignter“ handlicher Offroader, innen wie außen.
Mustang – die auferstandene Legende
Der Ford Flex, der wie ein Riesen-MINI anmutet, ist ein flexibles Fahrzeug ähnlich der Mercedes R-Klasse: Luxusgroßraumlimousine, Van, Kombi und Reiseliner in einem. Wer Familie hat, würde mit dem Ford Flex in Deutschland Staat machen können, wenn es ihn denn hier zu kaufen gäbe. Ähnlich die auferstandene Legende Ford Mustang. Er lässt, hochemotional und der Tradition verbunden, die Herzen höher schlagen. Ein innovatives Muscle-Car der Heutzeit mit den typischen Designelementen des alten guten Amerika der 60er.
Leider ist ein Mustang nur über Grauimportfirmen in Deutschland zu erhalten, und diese nutzen das preispolitisch schamlos aus. Der Mustang kostet in den USA um die 20.000 Dollar, das ergibt je nach Kurs einen Eurowert von 16-18.000 Euro, und das ist wahrlich viel Auto für’s Geld, denn V6, Leder, Klima und Automatik sind bereits inklusive. Ich habe den Mustang in den USA getestet, auch außerhalb jeglicher Tempolimits, und für solide befunden. Selbst das Cabrio ist dachseitig ordentlich gedämmt, der Motor durchzugsstark und europäisch undurstig.
Betrachten wir Ford Deutschland, so können wir auf wunderschöne Automobilschöpfungen zurückblicken. Ein Ford Taunus war immer etwas Besonderes, und der Ford Capri ist ein begehrtes Sammlerstück zeitloser Schönheit in der Formensprache. Was wir heute im Ford-Autohaus erblicken, kann sich ebenfalls sehen lassen. Dass allerdings der Weltkonzern die US-Modelle uns Deutschen vorenthält, setzt auch die Fordmanager auf die Anklagebank der Unvernunft.
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Leserbrief
Zu: P.T. Magazin 3/2010
„Das Magazin liest sich kurzweilig, ist persönlich im Stil und kritisch. Interessant sind die Berichte und Anzeigen der vielen Mittelständler. Sie sind informativ und stellen ein gutes Medium dar, um neue Kontakte zu knüpfen.“
Christian Kalkbrenner

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