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Der Preis des Geldes
Tristan Abromeit, Anhänger der Freiwirtschaftsschule, hält eine Golddeckung als Voraussetzung einer stabilen Währung für überflüssig und schädlich

(Foto: Bundesbank)

Streitobjekt: Freiwirtschaftler halten die Rückkehr zum Goldstandard für zwecklos. Auch dann sei die Umlaufsicherung des Geldes nicht gewährt, d. h., Geld könne weiterhin der Realwirtschaft entzogen werden. (Foto: Bundesbank)

Weimarer Republik 1924: Nach Einführung der Rentenmark wurde täglich zentnerweise wertloses Papiergeld vernichtet. (Quelle: Bundesarchiv/Wikipedia)

USA 2009: Bis zu 2 Billionen Dollar will Finanzminister Timothy F. Geithner in die amerikanischen Pleite-Banken pumpen. (Foto: © Claus-P. Schulz/PIXELIO)

Margrit Kennedy/Bernard A. Lietaer: „Regionalwährungen: Neue Wege zu nachhaltigem Wohlstand“; Broschiert: 301 Seiten; Verlag: Riemann, 2006; ISBN-10: 3570500527; ISBN-13: 978-3570500521

Helmut Creutz: „Das Geld-Syndrom – Wege zu einer krisenfreien Marktwirtschaft“; 464 Seiten; Verlag: Econ Tb., 2001; ISBN-10: 3548700063; ISBN-13: 978-3548700069
Das, was wir heute sozialökonomisch erleben, ist durch die Ignoranz der Elite der Wissenschaft, der Politik, der Gewerkschaften und der Unternehmerschaft vorbereitet worden, und die Klärung der Probleme wird durch die gleichen „Seilschaften“ behindert.
Es ist auch eine falsche Annahme, die Wirtschaftstheorie und -politik der alten BRD sei weniger von ideologischen Fehlschlüssen bestimmt gewesen als die der untergegangenen DDR.
Feinde der Marktwirtschaft
Das ordnungspolitisch Notwendige wurde und wird bei uns verdrängt oder verzerrt. In einer verkrampften Abwehrhaltung gegenüber dem real existierenden Sozialismus wurden in der Alt-BRD Versuche von Arbeitnehmern, das in Konkurs gegangene Unternehmen ihrer Arbeitgeber als Genossenschaft weiterzuführen, durch die Politik und Arbeitgeberverbände als „sozialistisch“ diffamiert und von den Gewerkschaften aus Angst vor Klientelverlusten gemieden.
Leerformelhaft bekennen sich heute alle in den Parlamenten vertretenen Parteien zur Marktwirtschaft. Konkret sind sie aber alle Feinde der Marktwirtschaft, weil sie nicht willens und in der Lage sind, die Systemfehler zu erkennen und zu beseitigen, sondern diese nur – wie aktuell geschehen – durch weitere Fehler, Rettungspakete genannt, zu vergrößern bzw. zu vertuschen.
Zwei Systeme
Der Ökonom und als Begründer des Ordoliberalismus geltende Walter Eucken hat unser Verständnis dafür geschärft, dass wir wirtschaftliche Tätigkeiten nur in einer dezen- tralen oder zentralen Organisation (Ordnung) oder in einer Mischform ablaufen lassen können. Die dezentrale Wirtschaftsordnung nennen wir Marktwirtschaft oder Verkehrswirtschaft und die zentrale Wirtschaftsordnung (seit Eucken) Zentralverwaltungswirtschaft oder Kommandowirtschaft.
Beide Ordnungen haben ihre Systemelemente, und wenn die nicht alle stimmen, ist das jeweilige System auch nicht voll funktionsfähig. Generell kann man vermuten oder beobachten, dass die jeweilige Ordnung nur dann stabil ist, wenn sie sich auf ihre reine Form hin entwickelt. Theoretisch und praktisch ableiten kann man auch, dass der Freiheitsgrad der Menschen mit einem zunehmenden Verwirklichungsgrad bei der Marktwirtschaft zunimmt und bei der Zentralverwaltungswirtschaft abnimmt.
Problem Kapitalismus
Die Wirklichkeit ist aber ein Widerspruch zu den (beschönigenden) Beschwörungen. Die Väter der sozialen Marktwirtschaft gingen davon aus, dass sich bei Realisierung ihres Modells die Kapitalertragsquote in der Einkommensverteilung zu einer Restgröße entwickeln und so das ursprüngliche sozialistische Ziel, der Arbeit den vollen Ertrag zu sichern, auf freiheitlichem Weg erreicht würde.
Dass diese Entwicklung nicht eingetreten ist, erfahren wir täglich aus den Medien. Und damit sind wir beim eigentlichen Problem, das eben den Namen „Kapitalismus“ trägt. Im Kapitalismus ist der Kapitalertrag die dominante Steuerungsgröße, die keine Moral kennt, nicht von Gesetzesnormen oder durch ethische Forderungen aufgehoben werden kann.
Der Kapitalismus ist aber keine Wirtschaftsordnung im Sinne der Verkehrs- oder Kommandowirtschaft, sondern eine Systemüberlagerung. Diese Überlagerung nennen wir in Verbindung mit der Marktwirtschaft Privatkapitalismus und in Verbindung mit der Zentralverwaltungswirtschaft Staatskapitalismus. Der Kapitalismus ist aber kein Gespenst, sondern seine Wirkungen (die nicht nur die Verteilung, sondern auch die Konzentration, die Konjunktur und die Umwelt betreffen) sind messbar, und seine Ursachen oder Instrumente sind benennbar.
Kriminelle Ausmaße
Keine Sorge, es sind nicht die „bösen“ Unternehmer, die den Kapitalismus und seine antreibende wie zerstörende Kraft verursachen. Es sind schlicht Systemfehler, die den Kapitalismus hervorrufen und die Entfaltung der Marktwirtschaft verhindern. Zu benennen sind das falsche Bodenrecht, eine fehlerhafte Geldverfassung und auch das Patentrecht, die die Konzentrations- und Zerstörungsprozesse auslösen. Über die Wirkungszusammenhänge gibt es genügend Literatur.
Die ökonomischen Probleme, die uns heute Schwierigkeiten machen, die bei uns den Unternehmern den Schlaf rauben, Menschen ins Elend stürzen und anderswo in den Tod, sind alle uralt. Die Schlamperei der Wissenschafts- und Wirtschaftspolitik und die der Wissenschaft hat kriminelle Ausmaße.
Golddeckungswahn
Aber auch die Unternehmerschaft ist nicht unschuldig an dem Zustand. Sie vertraut zu sehr dem volkswirtschaftlichen Urteil ihrer Verbandsfunktionäre oder interessiert sich zu wenig für die ökonomischen Rahmenbedingungen und Wirkungen ihres Tuns. Solange ihre eigene Kasse stimmt und nicht zu viel in ihre Unternehmen hineingeredet wird, verhält sie sich still. Erst durch zwei Leserbriefe bin ich auf den Beitrag von Carlos A. Gebauer mit dem Titel „Die Implosion des Als-Ob-Kapitalismus“ in der Ausgabe 6/2008 des P.T. Magazins aufmerksam geworden.
Die verneinende Kommentierung des einen Lesers zu Gebauers Lob einer Goldwährung ist richtig. Die Zuordnung dieser Gedankengänge zur Freiwirtschaftsschule ist völlig daneben. Der Golddeckungswahn zu Zeiten der Weimarer Republik hat die Deflation mit ihren verheerenden Folgen und den daraus resultierenden Aufstieg der Nationalsozialisten verursacht. Nachzulesen ist das in „Inflation und Deflation zerstören die Demokratie“ von Gerhard Ziemer, 1971. Neben Hochschulprofessoren in kleiner Zahl waren es vor allem die freiwirtschaftlichen Gruppen, die verzweifelt gegen den Golddeckungswahn angekämpft haben.
Untaugliche Instrumente
Der zweite Leserbrief-Schreiber, ein Professor, hat mit dem ersten Teil seiner Aussage recht: „Das Geldsystem ist systemisch instabil“, mit der zweiten Hälfte der Aussage, „seit die Goldwährung über Bord gegangen ist“, liegt er völlig daneben.
Die Goldwährungen waren in Bezug auf die Kaufkraft und Konjunkturen immer instabil, weil die Goldfunde nicht immer dem Geldmengenerfordernis entsprachen, weil das Gold bei guter Konjunktur verschatzt wurde und so deflatorische Tendenzen auslöste. Nachzulesen u. a. im Buch „Das Geld in der Geschichte“ (1959) meines verstorbenen Freundes Karl Walker.
Aber die Aussagen der meisten Ökonomen über das Geld sind auch verwirrend oder konfus. Es ist heute nicht einmal mehr klar, was Geld ist. Ansprüche, Forderungen auf Geld (also von der Bank eingeräumte Kredite und kurzfristige Kundeneinlagen, sog. Giralgeld) werden auch zum Geld gezählt, nur weil man damit auch Rechnungen begleichen kann.
Ist das Geld aber nicht mehr bestimmbar, ist auch die Geldmenge nicht mehr bestimmbar. Ist die Geldmenge nicht mehr bestimmbar, dann ist – in Verbindung mit dem Tatbestand, dass die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes heute mit den angewandten Instrumenten nicht beherrschbar ist – keine Herstellung der Geldwertstabilität möglich.
Bedrohung der Volkswirtschaften
Carlos A. Gebauer ist aber dafür zu loben, dass er im erwähnten P.T.-Artikel die Währung als Ursache für die derzeitige Krise unserer Ökonomie sieht und darum diesen Beitrag verfasst hat. Dass er in der Analyse und bei der empfohlenen Problemlösung völlig daneben liegt, ist da nur ein Schönheitsfehler, der in weiteren Beiträgen behoben werden kann.
Die Einlösungspflicht der USA – Gold gegen Dollar – wurde 1971 aufgehoben, weil die FED dieser Verpflichtung gar nicht mehr nachkommen konnte. Die Inflationierung des Dollars trotz Gold-Teil-Deckung zeigt, dass Gold nicht die Fähigkeit hat, eine Währung stabil zu halten. Die Freigabe des Wechselkurses war einfach erforderlich, weil die Falschbewertungen der Nichtdollarwährungen in Verbindung mit der Ankaufspflicht der Nichtdollar-Notenbanken zu einer Bedrohung der anderen Volkswirtschaften geworden war. Obwohl die Fakten damals eindeutig auf dem Tisch lagen, war es ein hartes Ringen um die Freigabe der Wechselkurse.
Quasi-Weltwährung
Als ich 1966 meine Examensarbeit über Wechselkurse an der Akademie für Wirtschaft und Politik in Hamburg schrieb, musste ich gegen die Lehrmeinung der Prüfer für flexible Wechselkurse plädieren. Marktwirtschaftlich gesehen sind fixierte Wechselkurse wie eine staatlich verordnete Preisbindung z. B. für Lebensmittel. Dass für den Im- und Export und auch für die Touristik stabile Wechselkurse für eine sichere Kalkulation vorteilhaft sind, steht außer Frage.
Aber fixierte und stabile Wechselkurse sind zwei verschiedene Dinge. Stabile Wechselkurse erreicht man, wenn nicht manipulierend in den Devisenmarkt eingegriffen wird und wenn die am Austausch beteiligten Währungen selbst stabil sind. Zu Alan Greenspan und der FED: Es ist richtig, dass die Zentralbank der USA (vermutlich im Zusammenspiel mit den US-Regierungen) die Stellung des US-Dollars als Quasi-Weltwährung ausgebeutet hat. Dabei ist klar, dass bei einer erheblichen Geldvermehrung das Preisniveau nur stabil bleiben kann, wenn das zusätzliche Geld, das auf der Güterseite keine Entsprechung findet, in die Horte geht, also nicht nachfragewirksam wird. Die Horte sind in diesem Fall die Reserven der Nicht-US-Zentralbanken und der Wirtschaftsteilnehmer, im US-Markt und vor allem im Ausland.
Es ist natürlich verführerisch, wenn aufgrund der Tatsache, dass die US-Nationalwährung als Weltwährung fungiert, Importe getätigt werden können, ohne in vollem Umfang Exporte dafür tätigen zu müssen, weil die zusätzlich gedruckten Dollars – jedenfalls vorläufig – verschwinden. Da aber auch die Binnenkonjunktur der USA lahmte und eine schwache Konjunktur eine Kreislaufschwäche des Geldes ist, hat man hier versucht, durch eine binnenwirtschaftliche Geldvermehrung diese ökonomische Schwäche zu überwinden.
Betrug nicht ausgeschlossen
Es zeigt sich in diesem Zusammenhang einmal mehr, dass es nicht nur auf die Geldmenge ankommt, sondern eine Notenbank kann nur dann die Geldwertstabilität und die Nachfragewirksamkeit des Geldes als Voraussetzung einer guten Konjunktur (Vollbeschäftigung) garantieren, wenn sie auch die Umlaufgeschwindigkeit (Umschlaghäufigkeit/Ausnutzungsgrad) des Geldes beherrscht. Für mich stellt sich die Notenbankpolitik der USA, die zu der jetzigen Krise wesentlich beigetragen hat, so dar, dass sie versucht hat, das von John Maynard Keynes entwickelte Deficitspending auf Privathaushalte anzuwenden.
Wenn das so ist, war die Notenbankpolitik der USA weniger der Versuch, den USA-Staat zu bereichern, als vielmehr der Versuch, auf diesem Wege eine Deflation zu vermeiden. Die Finanzprobleme der Banken sind nach meiner Einsicht aber nicht nur auf die Politik der Notenbank zurückzuführen. Ich vermute, dass die Banken und die Geldanleger – unter dem Druck, eine möglichst hohe Rendite vorweisen zu können – einfach mit Luft spekuliert haben. Ich will nicht ausschließen, dass da manchmal bewusste Blindheit und auch Betrug im Spiel waren.
Der Regelfall dürfte aber sein, wenn die Konkurrenz für Einlagen oder Wertpapiere überdurchschnittliche Renditen anbietet, dann müssen sich die Mitbewerber ebenfalls bemühen, diese Sätze ihren Kunden zu offerieren. Und bekanntlich können nicht nur Individuen und Gruppen, sondern auch ganze Völker den Sinn für Realitäten verlieren.
100 Jahre Aufklärung umsonst?
Nochmals zur Goldwährung: Eine stabile Währung auf dem „althergebrachten Goldstandard“, wie Gebauer behauptet, hat es noch nie gegeben. Der Satz „Wahren Kapitalismus gibt es nur mit wertstabilem Warengeld.“ bekommt erst seine Richtigkeit, wenn das Wort Kapitalismus gegen Marktwirtschaft und Warengeld gegen Währung ausgetauscht wird. Der Kapitalismus als Möglichkeit, sich leistungsloses Einkommen anzueignen, ist immer wahr, wenn er feststellbar ist. Der Kapitalismus lebt von dem Mangel, von der Not.
Jede neue Produktionsanlage, jede neue Wohnung in einer Situation der Dauerkonjunktur mit Vollbeschäftigung und stabilem Preisniveau drückt auf die Rendite und ist somit der Tod des Kapitalismus. Ein Krieg mit seinen Realkapitalzerstörungen ist ein Fest für den Kapitalismus.
Die Neutronenbombe hat deshalb keine Chance, im großen Stil produziert zu werden, weil diese die Güter nachfragender Menschen umbringt und das Realkapital nicht zerstört. Es zeigt sich in der Argumentation von Gebauer, dass die 100-jährige Aufklärung der Freiwirtschaftsschule, anderer Quantitätstheoretiker und marktwirtschaftlich orientierter Kapitalismuskritiker immer noch nicht gefruchtet hat.
„Charakter einer Utopie“
Der Preis des Geldes – ausgedrückt in der Menge der Ware, die man dafür eintauschen kann – bildet sich eben nicht durch seinen Stoffwert, z. B. Silber oder Gold, und auch nicht durch eine Hinterlegung von Waren (Gold, Silber, Getreide etc.) bei der Notenbank (Zentralbank), sondern durch seine Funktion, durch das Verhältnis seiner (aktiven) Menge zur Menge der im oder auf dem Markt befindlichen Güter.
Die Menge der Güter kann dabei in der Marktwirtschaft von der übergeordneten Ebene Staat/Zentralbank nicht bestimmt werden, wohl aber die Geldmenge. Diese aber nur dann, wenn sie tatsächlich umläuft: „Taler, Taler, du musst wandern, von dem einen zu dem andern!“ Gemessen wird die richtige Geldmenge – die für das stabile Preisniveau erforderlich ist – mit dem Warenindex oder mehreren Indices. Darum hat eine solche Währung die Bezeichnung Indexwährung, die vor allem von der Freiwirtschaftsschule propagiert wurde. F. J. Clauß schreibt in „Wirtschaftskonjunktur 6/74“ des Ifo-Instituts: „Diese erste Indexwährungs-Konzeption war einer der größten theoretischen Fortschritte der Nationalökonomie – wenn sie auch kaum jemals mehr als den Charakter einer Utopie gehabt hat wie zur Zeit in fast allen Industrieländern.“
Klärung der Begriffe dringend nötig
„Als Richard Nixon dann 1971 die Goldbindung vollends löste, zog er gleichsam auch noch den letzten leitwährenden Haken aus dem Nichts. An die Stelle freien Wirtschaftens traten endgültig die ungezügelten Bereiche politischer Zusicherungen und Heilsversprechen. Der Staatsdampfer Inflation erzeugt sich selbst die Bugwelle Kreditgeld. Doch statt in die Stabilität des Goldes zurückzukehren, haben sich auch deutsche Politbanken immer tiefer in den Rausch des überschwappenden Papier- und Kreditgeldes gestürzt.“
Diese Sätze Gebauers im besagten P.T.-Artikel assoziieren bei mir eher „Dichtung“ als „Sachbeschreibung“. Die Aufgabe der Goldbindung löste keine Inflation aus, sondern der inflationierte Dollar machte das Einlösungsversprechen „Banknoten gegen Gold“ unmöglich. Das Wort Kreditgeld ist ein Un-Begriff. Es ist so, als wenn man Wasser und Feuer zu einem Begriff addiert. Nun kennen wir aus den Indianergeschichten zwar den Begriff Feuerwasser, dieser meint aber nicht die Verbindung von Feuer und Wasser, sondern von Alkohol und Wasser.
Geld und Kredit sind zwei verschiedene Dinge, die man wohl solange als Zahlungsmittel zusammenfassen kann, wie noch nicht über die Kreditsumme verfügt wurde, aber nicht unter der Bezeichnung Geld. Die Bezeichnungen Giralgeld und Buchgeld haben für große Verwirrung – bis hinein in die Freiwirtschaftsschule – gesorgt.
Die Klärung dieses Themenkomplexes wäre für unser Überleben wichtiger als die Frage, ob noch andere Planeten unseres Sonnensystems Wasser aufweisen. Ich verweise an dieser Stelle nur auf zwei Veröffentlichungen zum Thema: Karl Walker, „Das Buchgeld – Ein Beitrag zur theoretischen Klärung“, 1951 und Martin Scheytt, „Theoretische Grundlagen der bankgeschäftlichen Kreditgewährung – Krisischer Beitrag zur Kreditschöpfungstheorie“, 1962.
Stabile Währung ohne Gold
Und Gebauer stellt ja selber fest, dass Staaten die Goldbindung der Währungen aufheben können. Das Gold ist somit kein Garant für eine stabile und funktionierende Währung. Es ist auch zu bedenken, dass der Preis der Ware Gold selbst Schwankungen unterliegt und völlig in den Keller gehen würde, wenn die Notenbanken aufhören würden, Gold in ihre Tresore zu sperren.
Noch einmal Carlos A. Gebauer: „Wer, wie schon 1925, politisch manipulierbares Papiergeld in Zahlkraft setzt, verursacht monetäre Expansion, beseitigt den Kapitalismus und pflanzt den Keim des Kollapses…“ Ich korrigiere: Wer das sachlich richtige manipulierte Papiergeld in Umlauf setzt, reduziert die monetäre, zinsbedingte Expansion und Vermögenskonzentration, beseitigt damit eine wesentliche Ursache des Kapitalismus und ermöglicht die Entwicklung einer störungsfreien Marktwirtschaft.
1923 zeigte man mit der Einführung der Rentenmark, dass auch ohne Gold und ohne staatlich garantierte Annahmepflicht eine stabile Währung zu haben ist. Die zur Sicherung der Rentenmark dienenden Zwangshypotheken waren dabei nur währungspolitische Kosmetik, eine Beruhigungspille für die Bürger und die Goldwährungsgläubigen. Die zweite Zerstörungswelle der damaligen Republik nach der Entwertung aller auf Geld lautenden Werte begann dann mit der Wiedereinführung der Goldkernwährung.
Importierte Deflation
Die Goldwährungsgläubigen hatten sich politisch mal wieder durchgesetzt. Deutschland nahm Kredite in den USA auf, um sich Gold zu kaufen und es nutzlos in die Tressore der Reichsbank zu legen, um sich aber mit hohen Zinszahlungen zu belasten. Man stelle sich mal einen Unternehmer vor, der sich mit einem Kredit einen Maschinenpark zulegt, ihn in einer Halle aufbaut und dann die Tore verschließt.
So einen Unsinn wird kein Unternehmer tätigen, wird jeder sagen, der das liest. Die Zentralbanken machen das aber, und viele Menschen halten das für vernünftig. Aber ein größeres Problem war, dass die für die Währung verantwortlichen Zentralbanker und Politiker nun fest daran glaubten, dass die Geldausgabe in einem bestimmten Verhältnis zur vorhandenen Goldmenge zu sein habe. Als dann 1929 die von den USA ausgehende Weltwirtschaftskrise einsetzte, wurden die Deutschland zur Goldbeschaffung gewährten Kredite gekündigt. Die Goldbestände mussten reduziert werden, und folglich glaubte man, auch die Geldmenge reduzieren zu müssen. Auf diese Weise hatte man die Deflation „importiert“. Was dann folgte, beschämt uns heute noch.
Unwillig zur Analyse
Das Verhalten der Regierungen und Notenbanken von heute unterscheidet sich von jenem im Jahr 1928 dadurch, dass das Signal auf Geld- und Kaufkraftvermehrung und nicht auf Sparen und Geldmengenschrumpfung gestellt wurde. Das ist allemal besser, als eine Deflation zu riskieren.
Darüber hinaus sind Politik und Wissenschaft genauso unwillig, den Dingen auf den Grund zu gehen und sachlich richtige Maßnahmen zu treffen, wie in der Zeit, als von Demokraten die Republik zerstört wurde. Wer diese, meine Ausführungen gelesen hat, sollte sich selber weitergehend informieren. Der vollständige Beitrag mit Literaturhinweisen und Links findet sich unter www.tristan-abromeit.de, Text 68.0.
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Karl Walker: „Das Geld in der Geschichte“ |
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Tristan Abromeit (geb. 1934) stieß über die Friedensbewegung auf das Thema Freiwirtschaft. Nachdem er fast ein Jahrzehnt Mitglied der FDP war, gehörte er 1980 zu den Gründern der Grünen. Gemeinsam mit Georg Otto versuchte er, die Grünen in die freiwirtschaftliche Richtung zu lenken. Nachdem das misslang, publiziert er aus freiwirtschaftlicher Sicht zu ökonomischen Themen. (Foto: Tristan Abromeit) |
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Leserbrief
Zu: P.T. Magazin 3/2010
„Das Magazin liest sich kurzweilig, ist persönlich im Stil und kritisch. Interessant sind die Berichte und Anzeigen der vielen Mittelständler. Sie sind informativ und stellen ein gutes Medium dar, um neue Kontakte zu knüpfen.“
Christian Kalkbrenner

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