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Freitag, 30. Juli 2010

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Kategorie: P.T. Kunst & Kultur
Donnerstag 23. August 2007

Soldat Heinz Anders

 

Sensible Aquarelle als Zeitdokumente des Krieges

Landschaft

Heinz Anders

Panzer

Krieg bringt nie Gutes hervor. Doch müssen nicht alle Sinne abstumpfen. Und so kommt auch im Krieg der Mensch am Menschsein nicht vorbei und malt manchmal, wie Heinz Anders, Bilder. Die bildende Kunst faszinierte Heinz Anders schon in seiner Kindheit. Begeistert verfolgte er den Zeichenunterricht. Als erstes  Kind des Schneiders Max Emil Anders und seiner Frau Martha wurde Heinz am 1.Mai 1913 in Leipzig geboren. Er nahm seine Umwelt sehr genau war und beschrieb vieles, was er sah und erlebte,  in Wort und Bild. Da scheint es nicht verwunderlich das sich Heinz Anders auch im Zweiten Weltkrieg seines Talentes bediente und mit Graphit oder  Wasserfarbe die Geschehnisse auf Papier bannte. Diese Bilder dokumentieren das Gesehene zwar wie ein Foto, doch sind es seine Farbkompositionen und sein Duktus, die dem Ganzen seine ganz persönliche Handschrift und Emotion vermitteln. 

Auch ein Soldat, Namens Adolf Hitler, fertigte während des Ersten Weltkrieges Rödelzeichnungen an. Doch konnte sein Talent ihn nicht davor schützen, Jahre später, Millionen von Menschen in den Tod zu schicken. Ob Heinz Anders den Wahnsinn Hitlers überlebte ist nicht bekannt. Laut Deutscher Dienststelle für Benachrichtigung der nächsten Angehörigen, von Gefallenen  der ehemaligen deutschen Wehrmacht,  vom  3o.o5.2002 ist dort letztmalig eine Meldung vom 15.04.1942 erfasst, die ihn als Angehörigen der Einheit Stabskp. Nachrichtenzug, Schützen Btl. Rgt. Hermann Göring nennt. Eine Vermisst- oder Todesmeldung liegt nicht vor. Nach der Familienüberlieferung soll Heinz A. noch im Jahre 1944 auf Heimaturlaub in Leipzig gewesen sein. Seit seiner Rückkehr, auf der Fahrt zu seiner Einheit in Italien im Jahre 1944 gilt er von seiner Familie als  vermisst. Auch ein Antrag auf Grabnachforschung im Jahre 1951 blieb ergebnislos.Übrig geblieben scheinen unter anderem nur seine Bilder,  Zeichnungen und Tagebücher.

Auszug aus:

Tagebuch meiner Ferienfahrt 1935 vom 7. Juli bis 20. Juli in Neuendorf auf Insel Hiddensee. (...) Um 2 Uhr wurde Stralsund erreicht, und mit einer Pferdedroschke ging es nach dem Hafen,wo der Dampfer, der uns nach Hiddensee bringen sollte, ankerte. Mit herrlichstem Sonnenschein wurde die Überfahrt vollendet. Zum ersten Mal in meinem Leben genoss ich den Anblick des weiten Meeres. Sturm und Möven umsegelten unser Schiff und gaben uns den richtigen Vorgeschmack für unser kommendes Erlebnis an der See. Um 6 Uhr wurde in Neuendorf angelegt und unsere Wirtsleute holten uns ab. Ein romantisches Fischerhaus sollte 2 Wochen unser Heim sein. Ein Gefühl von Glück und Spannung ließ die Welt im goldigsten Licht erscheinen. Der Ort selbst ist der kleinste auf Hiddensee. Wege gibt es gar nicht. Alles nur eine Wiese. Mit niedrigen Fischerhäusern und  kleinen Gärten. Alles was man haben wollte, konnte man in den dazugehörigen Kaufständen haben.

Am Montag, dem ersten Tag auf der Insel, ließ uns der Forschergeist“ keine Ruhe und die nächste Umgebung musste besucht werden. Das erste war natürlich der Strand. Wenn wir ihn auch abends schon gesehen hatten, so wurde er jetzt richtig in Augenschein genommen. Genügend vom Morgenwind durchgewalkt ging es durch Wiesen, an der Heiderose“ vorbei, über Dünen nach dem nächsten Ort, Vitte. Nach kurzem Rundgang wurde Mittag gegessen. Der einstündige Hinweg wurde schnell zurückgelegt und zum ersten Bad wurde gerüstet. Hohe Wellen machten das Baden zu einem Vergnügen was man eben nur an der See haben kann. Tüchtiger Hunger trieb uns nach Hause. Kaffee wurde gekocht, Abendbrot bereitet, alles selbst. Der Spaß und Appetit ist viel größer.

Ein Abendspaziergang mit dem Anblick der untergehenden Sonne beschloss den ersten Inseltag. Am nächsten Morgen mussten wir wieder nach Vitte um unser Geld auf der Bank zu wechseln. Sächsische Banknoten nahm sonst niemand an. Baden war natürlich die Perle des Tages. Mittags wurde das erste Mal selbst gekocht. Aal mit Salzkartoffeln vornweg Suppe, als Nachtisch Heidelbeeren. Für uns ein göttlicher Fraß“.

Im Laufe des Tages hatte sich unser Sandloch zu einer ansehnlichen Burg entwickelt und wir besaßen Hoheitsrechte. Links und rechts 10 Meter frei. Das war ja etwas ideales. Wir hatten 50 Meter Strand für uns. Manchmal waren höchstens 10 Personen am Strand. Am Donnerstag wurde das Faltboot zu Wasser gelassen. Im  Bodden ging es gemütlich paddelnd nach Vitte. Nach tüchtigem Essen wieder in die Heimat und in die Wellen.  Am 12. Juli wurde eine Fahrt nach der Insel Rügen unternommen. Mit dem Motorboot fuhren wir eine Stunde nach der Wittower Fähre. Dort wurde mit dem Autobus gestartet.                      

 ...Rügenrundfahrt 12/7

In herrlicher Fahrt ging es an blühenden Mohnfeldern vorüber nach Wiek. Sächs. Kinderheim. Altenkichen, ein altes Fischerdorf mit interessanter Kirche.  Arkona - die nördlichste Landzunge von Deutschland. Leider hatten wir keine Aussicht nach Schweden. 5 Meeresströmungen wurden dort festgestellt.  Nach Besichtigung des alten Hünengrabes, und Leuchtturms ging es nach Breege-Juliusruh, als ich die Menschen und Autos sah, dachte ich auf Hiddensee ist es doch schöner, denn da darf kein Auto oder Motorrad landen.

Es folgt die Schaabe-Landzunge mit dichten Kiefernwäldern, dann Glowe mit der naheliegenden Küstenfunkstelle, deren Sendetürme 30 mtr. hoch sind und aus Holz. In abwechslungsreicher Fahrt, durch interessante Erklärungen des Führers unterbrochen, ging es nach Stubbenkammer. In kleine Landauer verladen holperten wir auf schlechten Straßen nach dem Königstuhl. Herrliche Aussicht auf Meer und Landschaft.  Die Schwedenfähre wurde gesehen und die Mitfahrer beneidet. Am Herthasee und Herthabuche vorbei, fuhren wir zum Autobus zurück. Sagard, Dobberworth, größtes Hünengrab auf Rügen, Bergen waren die nächsten Stationen. Von Bergen hatten wir einen herrlichen Rückblick auf das durchfahrene Gelände. Nach Durchfahrt der alten Fischerstadt, heute Fremdenstadt, ging es in rasender Fahrt zurück nach der Wittower Fähre. Die 7 stündige Rügenrundfahrt war leider zu Ende und der Fährmann brachte uns in lustigster, singender Stimmung Hiddensee zu. Ein unbeschreiblich schöner Tag war zu Ende.

Nach Einnahme unserer 5 Brötchen ging es mit dem Boot nach der unteren Hälfte der Insel nach dem Gellen. Seltene Vögel scheuchten wir oft aus dem Gebüsch. Naturschutzgebiet schützt diese Tiere. Nach beendeter Rückfahrt hinein ins Strandkaffee und zu Mittag gegessen. Baden wie immer füllte den Tag aus.

Am Sonntag wurde der Dornbusch aufgesucht. In heißer Sonne ging es durch Vitte nach Kloster. Nach der Feststellung, daß es hier viel zu viel Menschen sind die am Strand baden, stiegen wir, verärgert über die vielen Steine am Strand, zur Steilküste, dem Dornbusch. Dichter Nadelwald bedeckt hier die Insel. Ein Leuchtturm gibt der Landschaft ihr Bild.

(...) Am Dienstag und Mittwoch war es die Freude zu baden. 2 Meter hohe Wellen, so etwas hatte uns gefehlt. Sogar das Faltboot mußte daran glauben. Allerdings war ich mehr gekentert als oben. Aber Spaß machte es doch. Und in den Ferien macht man die tollsten Sachen. Die Sonne kam wieder und unser Bau konnte noch haltbarer gemacht werden.

Daß es im Ort nicht zu langweilig wurde, dafür sorgten das Strandhotel und die Heiderose. Mittwoch, Freitag, Sonntag war Tanz. Da konnte jeder sein Mütchen kühlen. Am heutigen Mittwoch verspürten wir Lust zum Tanzen, und da ging es Abends in das Strand-Hotel. Hier wurde getanzt bis früh. Man hatte einen kleinen Affen und ging schlafen. Am nächsten Tag waren ja noch Ferien. (...) Eine letzte Tusche nur, dann nach Hause.

Nach herzlichem Abschied ging es bei trüben Wetter nach Stralsund. Die Möven fütternd grüßten wir Hiddensee, daß uns 2 Wochen Ferienglück bescherte. Mittags fährt der Zug nach Berlin. Mit der U-Bahn schnell nach dem Westen- Kurfürstendamm, Elfriede einige Kaufhäuser gezeigt und zurück zur Bahn, denn der Zug wartete...  Im September 1935.  

 

Informationen und Kontakt: Wolfgang Anders archiviert  das  Konvolut aus Bildwerken, Tagebüchern, Fotoapparaten, Uniformen, Schallplatten u.a. e-mail: wolanders@aol.com

 


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Zu: P.T. Magazin 3/2010

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Christian Kalkbrenner