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Aus großer Macht folgt große Verantwortung
Von: Boris Kunofski Wenn die Medien über das Ziel hinaus schießen
Im ersten Teil der Film-Trilogie von Spiderman, wird der Held Peter Parker Zeuge, wie sein eigener Onkel ums Leben kommt. In einer Phase, in der er sich gerade zum Superhelden entwickelt, erinnert er sich an eine Weisheit seines Onkels: „Aus großer Macht folgt große Verantwortung“. Mit diesem Spruch im Gedächtnis kämpft Parker von nun an gegen das Verbrechen. Er nutzt seine Macht als Superheld verantwortungsvoll.
In der Realität verhält es sich ähnlich, wie im Marvel-Comic. Die größte Macht im Staat geht von den Medien aus. Die Macht, die investigativer Journalismus ausübt, macht ihn wertvoll für den Rechtsstaat. Aber genau wie Spiderman stößt er auch auf scharfe Kritiker.
Skandalöse Verhältnisse
Was ist investigativer Journalismus genau? Laut Wikipedia ein journalistischer Beitrag, dem eine „langwierige, genaue und umfassende Recherche“ voraus geht. „Skandalöse Verhältnisse aus Politik oder Wirtschaft“ aufzudecken ist das Ziel. In einem demokratischen Rechtsstaat gilt der Journalismus als die vierte Gewalt nach Legislative, Exekutive und Judikative. Journalismus besitzt Macht und somit auch eine große Verantwortung.
Allein der Publicity wegen
Die Verantwortung, Sachverhalte richtig darzustellen, Personen vor Diffamierung zu schützen und Tatsachen über Spekulationen zu stellen. Wenn diese Grundvoraussetzungen stimmen, kann Journalismus seine Aufgabe als vierte Gewalt des Staates wahrnehmen und erfolgreich politischer und wirtschaftlicher Korruption und Unrecht entgegen wirken. Leider bestimmen immer wieder Reportagen die Schlagzeilen, die moralischen und ethischen Grundsätzen nicht standhalten. Das Bedürfnis nach einer großen Schlagzeile überwiegt. Sind sich die Journalisten in diesen Fällen ihrer Verantwortung nicht bewusst? Handeln sie leichtfertig, allein der Publicity wegen?
Keine Verteidigung für den Angeklagten
Momentan steht Aldi in der Kritik, seine Mitarbeiter und Lieferanten nicht fair zu behandeln. In der Spiegel-Ausgabe 18/2012 packen „Aldi-Insider“ aus. „Erstmals wagt ein Manager, Details aus dem Innenleben des mächtigsten deutschen Handelsriesen zu präsentieren“, brüstet sich die Zeitschrift. Dass der ehemalige Aldi-Geschäftsführer und Mitglied des Verwaltungsrats Dieter Brandes bereits zwei Bücher über Aldi geschrieben hat, wird ignoriert. Er wird auch nicht gefragt. Stattdessen sind zwei enttäuschte ehemalige Angestellte und ein Geschäftsführer, der in den 70ern das letzte Mal von Aldi eine Gehaltsüberweisung erhalten hat, die Zeugen – ausgewählte Kritiker. Darf sich der angeklagte nicht verteidigen?
Keine Frage, die Vorwürfe an den Konzern und seine Methoden sollten geprüft werden. Der Kampf um die niedrigsten Preise ist nicht auf dem Rücken von Angestellten auszutragen. Wenn aber der Beschuldigte selbst nicht angehört wird, kann das Urteil nur einseitig ausfallen.
Gefährliche Pauschalisierung
Vor einem Jahr bekam Wiesenhof ähnliche Methoden zu spüren. Die ARD berichtete über widrige Verhältnisse in der Tierhaltung. Katastrophale Lebensbedingungen von Geflügel wurden zu Recht angeprangert. Der Konzern reagierte zwar unbeholfen auf die Vorwürfe, dennoch ist es zweifelhaft, ob die enthüllten Zustände in einzelnen Tierställen der gesamten Industrie vorgeworfen werden können. Pauschalisierung ist in diesem Zusammenhang gefährlich.
Eine zweifelhafte Berichterstattung dieser Art hat dramatische Folgen. Sie ruiniert Existenzen und zerstört Vertrauen. Nicht nur das Vertrauen in eine ganze, vermutlich größtenteils unschuldige Industrie. Langfristig auch das Vertrauen in die Medien selbst.
Die vierte Gewalt des Staates hat die Verantwortung, keine Unschuldigen in das Kreuzfeuer der Medienlandschaft zu rücken. Es gilt immer noch: im Zweifel für den Angeklagten. Solange eine Schuld nicht bewiesen ist, darf auch niemand zur Rechenschaft gezogen werden. Erst recht nicht durch die Medien. Deren Macht ist einfach zu groß, um leichtfertig damit umzugehen.









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