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Probleme beim Nachwuchs
Die Deutsche Unternehmerbörse stellt fest, dass eine familieninterne Nachfolgelösung oft die schlechtere Wahl ist
Die Deutsche Unternehmerbörse (DUB) hat im Februar 2012 eine Studie zur Unternehmensnachfolge veröffentlicht. Resultat: 58 Prozent der deutschen Unternehmer hat die eigene Nachfolge noch nicht abschließend geregelt. 17 Prozent der Unternehmer über 50 Jahre haben sich noch nicht einmal mit dieser Frage beschäftigt. Michael Grote, Geschäftsführer der Deutschen Unternehmerbörse im Interview mit dem P.T. Magazin:
P.T.: Die Existenz von mehr als 100.000 deutschen Familienunternehmen ist mangels Nachfolgeregelung bedroht. Was genau wären die Konsequenzen?
M. Grote: Die Konsequenzen sind je nach Fall sehr unterschiedlich. Wir können jedoch zwei wesentliche Szenarien ausmachen: Zum Einen den Fall des schlicht falschen Nachfolgers.
Hier wird es zu einem langsamen Niedergang des Unternehmens kommen, im besten Fall findet sich rechtzeitig ein Mitbewerber der das Unternehmen kauft. Im zweiten häufigen Fall wird kein Nachfolger gefunden.
Der Altunternehmer macht solange und so gut weiter, wie er kann. Wenn nicht vorher ein weißer Ritter einspringt, wird das Unternehmen abgewickelt.
P.T.: Fast jeder fünfte Unternehmer über 50 Jahre hat sich noch gar nicht mit dem Thema Nachfolge auseinandergesetzt. Wo sehen Sie die Gründe?
M. Grote: Ich glaube sehr viel Spaß an der Arbeit und kaum Perspektiven für den Ruhestand. Gerade die Gründer haben über 20 oder 30 Jahre ihr Unternehmen aufgebaut. Das Unternehmen ist die Antriebsfeder und aus dem Unternehmen bezieht der Unternehmer seine Bestätigung. Warum sollte er darauf verzichten? Und was sollte das emotionale Defizit ersetzen? Die Thematik ist zutiefst emotional, deshalb gibt es auch kein Patentrezept.
P.T.: Sie fordern eine Erleichterung für die familienexterne Nachfolge. Woran hapert es denn bisher?
M. Grote: Bisher hapert es vor allem am Grundverständnis. Die familieninterne Nachfolge wird als die natürliche Lösung gesehen. Viele Unternehmer gehen diesen Weg, obwohl sie nicht von der Eignung des eigenen Nachwuchses überzeugt sind. Hier brauchen wir dringend ein Umdenken. Denn die funktionierende familieninterne Nachfolge ist ein sehr seltener Glücksfall und keinesfalls die Norm. Im Sinne des Unternehmens und im Sinne der Familie müssen zielgerichtet Alternativen entwickelt und Talente aufgebaut werden. Und wir brauchen einen offeneren Umgang mit dem Thema Nachfolge.
P.T.: Warum hat der eigene Nachwuchs zu selten Interesse an der Unternehmensnachfolge?
M. Grote: Kinder entwickeln meist andere Interessen und Kompetenzen als ihre Eltern. Sie wollen sich abgrenzen und ihre eigenen Wege gehen. Das macht die Nachfolge schnell unattraktiv. Einen Nachteil sehe ich darin nicht. Im Gegenteil: Eine gut durchdachte Absage an die Eltern ist allemal mehr wert als ein Berufsleben im falschen Job. Denn darunter leiden letztlich auch das Unternehmen und die Mitarbeiter.
P.T.: Die familieninterne Nachfolgelösung ist oftmals eine Notlösung, die dem Unternehmen schadet. Warum wird dann in der Öffentlichkeit oft nur nach Managern gesucht, die als Angestellte kein Herzblut in das Unternehmen stecken und mit Abfindung abtreten, wenn der Betrieb Pleite geht? Warum sind Unternehmerpersönlichkeiten, die als Miteigentümer Verantwortung übernehmen oftmals keine Lösungsoption?
M. Grote: Weil es den Altunternehmern nicht gelingt, eben diese Talente zu gewinnen und zu binden. Wenn im Betrieb nur eine Meinung zählt und Initiative genauso wenig gefragt ist wie Kreativität oder Gestaltungswille, dann wird das Unternehmen zwangsläufig nur zweitklassige Mitarbeiter binden können, mit den von Ihnen beschriebenen Konsequenzen.
P.T.: Eine zentrale These der Studie lautet: Senioren lassen nicht los. Ist das nicht dem Pflichtgefühl gegenüber den Mitarbeitern geschuldet?
M. Grote: Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Weil der Senior nicht loslassen kann, findet sich kein Nachfolger. Natürlich bleibt dem Altunternehmer dann tatsächlich nichts anderes übrig als weiterzumachen. Keine Lösung ist und bleibt aber eine schlechte Lösung.










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