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Die Entschlüsselung des Wehrmachtcodes
Am 23. Juni, ist der 100. Geburtstag eines europäischen Genies: Alan Turing
Ob Flame Stuxnet oder Duqu: Hacken ist nichts Neues. Seit Jahrhunderten gab es Geheimsprachen, unsichtbare Tinten und allerlei Verschlüsselungen. Und seit jeher gibt es Hacker, die diese Geheimsprachen knacken wollten und häufig erfolgreich waren.
Absolut sicher: Enigma
Zu Beginn des 2. Weltkrieges ging es um die Entschlüsselung militärischer Geheimnisse der Nazis. Die schiere Menge der Information war unüberschaubar. Wenige Jahrzehnte zuvor wurde ab und zu ein Brief abgefangen. Jetzt konnten täglich tausende Funknachrichten empfangen werden. Nur nützen konnte man sie nicht. Es sei denn, der Code konnte geknackt werden. Die Deutschen hatten nach dem 1. Weltkrieg erfahren, dass der Wehrmachtscode geknackt worden war. Deshalb hatten sie jetzt in den 30 Jahren auf eine revolutionäre maschinelle Verschlüsselung gesetzt. Die dafür nötige Maschine hieß Enigma und sah aus wie eine Schreibmaschine. Man tippte Text, mittels Lämpchen wurde die Chiffre angezeigt, die konnte man übermitteln und beim Empfänger mittels derselben Maschine entschlüsseln. Diese Verschlüsselungs-Methode galt als absolut sicher.
Der wichtigste Codeknacker
Der britische Geheimdienst sah sich einer gewaltigen Aufgabe gegenüber und versammelte Mathematiker als Codeknacker in einem Landsitz nördlich von London. Damals galt Alan Turing bereits als Genie. Der Querdenker erfand die Turingmaschine, verstand im Alter von 16 Jahren Albert Einstein und diskutierte an der Universität in Camebridge mit Ludwig Wittgenstein. Nun leitete Turing das Team der Codeknacker in London. Die Verbündeten aus Polen und Frankreich hatten bereits eine Schwachstelle der Enigma entdeckt und die sogenannten „Bomba-Maschinen“ zur Entschlüsselung der Codes gebaut. Auf Basis dieser Vorleistung entwickelte Turing das System weiter. Seine „Bombe“ getaufte Entschlüsselungstechnologie brachte den Durchbruch für den Geheimdienst der Briten. Heute gilt Alan Turing als der wichtigste Codeknacker der Enigma. Bis in die 70er Jahre war sein Engagement beim britischen Geheimdienst jedoch geheim. Nicht einmal Freunde und Familie Turings wussten von dessen Tätigkeit, die wohl entscheidend zum Ausgang des U-Boot-Krieges beigetragen hat.
Von der „Bombe“ zum Schach
Die von Alan Turing zur Entschlüsselung gebaute „Bombe“ und weitere seiner Weiterentwicklungen und Erfindungen ebneten den Weg der Entstehung des Computers. Nach dem Weltkrieg war Turing an der Universität in Manchester beschäftigt und schrieb dort als stellvertretender Direktor der Computerabteilung die Software für den ersten echten Computer. Auch an einer Software für Schach versuchter er sich. Turings guter Ruf wurde beschädigt, als er einen Diebstahl meldete und dadurch seine Homosexualität öffentlich wurde. Wegen Unzucht verurteilt unterzog sich der Wissenschaftler unfreiwillig einer Hormonbehandlung. Die dadurch ausgelösten Depressionen führten vermutlich zum Suizid Turings, im Alter von gerade einmal 42 Jahren. Erst 2009 entschuldigte sich der damalige britische Premierminister Gordon Brown offiziell im Namen der Regierung.
Anonym wie Alan Turing
An Turings Verdienste wird immer noch regelmäßig erinnert. Jährlich verleiht die Association for Computing Machinery den sogenannten Nobelpreis der Informatik, den Turing-Award. Den Entwicklern von Stuxnet, Flame und Duqu wird diese Auszeichnung nicht zuteil werden. Denn als Mitarbeiter des Geheimdienstes arbeiten sie ebenso anonym wie Alan Turing während des zweiten Weltkrieges. Vielleicht ändert sich das in 30 Jahren.








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