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„Störfall“ trauernder Mitarbeiter
Symposium auf der Messe „Leben und Tod“ widmet sich einem Tabu
(WFB) Einen Großteil ihrer Zeit verbringen viele Menschen am Arbeitsplatz. Hier gehen sie Bindungen ein: kollegiale, freundschaftliche bis hin zu sehr privaten. Stirbt ein Mitarbeiter, müssen die nächsten Kollegen, das ganze Team und das Unternehmen insgesamt mit dem Verlust fertig werden. Darauf sind Firmen aber in aller Regel nicht vorbereitet, aus Sicht von Führungskräften stellen trauernde Angestellte oft sogar einen Störfall für den reibungslosen Betrieb dar. Die Veranstaltung „Leben und Tod“ am Donnerstag und Freitag, 10. und 11. Mai 2012, in der Messe Bremen geht das tabuisierte Thema an: mit dem Managementsymposium „Trauer am Arbeitsplatz“.
Menschliche und betriebswirtschaftliche Tragweite
Das eintägige Symposium am Freitag, 11. Mai, wendet sich an Personalentwickler, Arbeitsmediziner, Betriebsräte, Firmenchefs, Presseverantwortliche und Mitarbeiter im betrieblichen Gesundheits- und Eingliederungsmanagement. „Sie alle sind angesprochen, denn wir greifen hier ein Thema von großer menschlicher, aber auch betriebswirtschaftlicher Tragweite auf“, sagt Messe-Projektleiterin Meike Wengler.
Die Organisation der Veranstaltung hat der gelernte Banker, Hospizbegleiter, Fachbuchautor und Trainer Ulrich Welzel übernommen. Er ist darauf spezialisiert, Unternehmen bei der Entwicklung geeigneter Verfahren zu beraten und zu unterstützen, und arbeitet dafür mit einem großen Team zusammen. „Die Referenten des Symposiums werden vermitteln, wie Unternehmen ein trauerfreundliches Umfeld gestalten und wie Führungskräfte Betroffenen helfen können. Teilnehmer lernen gelungene Beispiele kennen und machen sich überhaupt erst einmal mit dem Problem vertraut.“
Nicht Ignoranz, sondern Unwissenheit
Das sieht so aus: Jährlich sterben in Deutschland 850.000 Menschen, von denen 140.000 im arbeitsfähigen Alter sind. In den Unternehmen im deutschsprachigen Raum aber fehlen nach Erfahrung Welzels zumeist konkrete Lösungen für den Umgang mit Verlust, Trauer und Tod im Arbeitsalltag. Nur sehr selten wissen Führungskräfte, wie sie auf trauernde Mitarbeiter zugehen sollen. Welzel: „Dahinter steht oft nicht Ignoranz, sondern Unsicherheit. Vielfach herrscht aber auch die Auffassung, Betroffene würden – und müssten – in ihrer privaten Umwelt die nötige emotionale Unterstützung finden, am Arbeitsplatz stünden nun einmal Leistung und Funktionsfähigkeit im Vordergrund.“
Diese Einstellung übersieht, dass die Erfahrung von Tod Experten zufolge der stärkste Stress ist, der Menschen überhaupt widerfahren kann – und welche Konsequenzen er hat. Kaum einer, der dann nicht auch am Arbeitsplatz hin und wieder weint. Manchmal beginnen Betroffene zudem, Fehler bei der Arbeit zu machen. Das kann den Teamgeist schwächen, ja kostspielige Schäden verursachen. Andere werden regelrecht krank – und gesundheitsbedingte Fehlzeiten produzieren ebenfalls gewaltige Kosten: Studien großer Krankenkassen etwa gehen davon aus, dass allein psychische Störungen 13 bis 15 Milliarden Euro Umsatzeinbußen verursachen.
"Dein Kunde ist verstorben"
Ein von Empathie und Wertschätzung geprägter Umgang ist mithin schon aus betriebswirtschaftlicher Sicht erforderlich, zumal er auch ein Imagefaktor ist: Negativschlagzeilen können schaden. Was sich im Übrigen auf den Umgang mit trauernden Kunden übertragen lässt. Welzel zufolge büßen etwa Banken gewaltige Einlagesummen ein, weil ihre Mitarbeiter gleichgültig oder ungeschickt mit Hinterbliebenen umgehen. Eine Situation, wie sie für den früheren Banker am Anfang seiner Beschäftigung mit dem Thema stand: „Vor rund vier Jahren fand ich morgens in der Bank einen Zettel vor, auf dem lapidar stand: ,Dein Kunde ist verstorben.’ Bis hinauf in die Chefetage hatte niemand einen Rat für mich, wie ich auf die Erben zugehen sollte. Es herrschte vielmehr Unsicherheit.“
Das Management-Symposium während der Messe „Leben und Tod“ konzentriert sich auf die Binnensicht – und als Eröffnungreder des Management-Symposiums haben Meike Wengler und Ulrich Welzel Werner Tiki Küstenmacher verpflichtet, der in seinem Bestseller „Simplify your Life“ auch ein Kapitel den Beerdigungen widmete. Der evangelische Pfarrer und Künstler gibt mit einer Prise Humor gewürzte praktische Ratschläge und illustriert sie mit live gezeichneten Karikaturen.
Betriebliche Trauerbegleitung
Die folgenden 20-Minuten-Vorträge analysieren die Problemlage und beschreiben Lösungsstrategien. Eine Wissenschaftlerin des Statistischen Bundesamts erläutert Daten und Berechnungen zur Sterblichkeit im Erwachsenenalter. Weitere Referate drehen sich um Studien von Krankenkassen zu den Kosten, die trauerbedingte Fehlzeiten in Unternehmen verursachen. Es geht um Möglichkeiten für betriebliche Trauerbegleitung und den verantwortungsvollen Umgang mit Menschen, die Arbeitsunfälle miterlebten, oder Berufsgruppen wie den Lokführern, die häufig mit Suiziden konfrontiert werden. Eine Vertreterin der Bundesärztekammer beschäftigt sich mit der Rolle von Betriebsärzten. Ein Unternehmensberater beschreibt die adäquate Kommunikation von Sterbefällen nach innen und außen – gerade auch im Fall des Todes von Führungskräften.
Auch vorbildliche Ansätze haben ihren Platz auf dem Symposium. Gemeinsam mit der Handwerkskammer Koblenz hat ein Palliativmediziner ein noch außergewöhnliches Modell für den Umgang mit Trauer am Arbeitsplatz entwickelt: Die Kammer bietet seither Seminare für Unternehmer sowie konkrete Hilfe im Ernstfall an. „Eine österreichische Bank hat wertschätzenden Umgang mit Mitarbeitern quasi zum Programm erhoben“, berichtet Ulrich Welzel.
Symposium „Trauer am Arbeitsplatz“
Datum/Zeit: Freitag, 11. Mai 2012, 9.00 – 17.30 Uhr
Ort: CCB Congress Centrum Bremen, Saal Focke-Wulff
Tagungsgebühr: 485,- Euro zuzüglich Mehrwertsteuer
Leistung: Tagung inklusive Vortragscatering und Lunch, Zutritt zur Veranstaltung „Leben und Tod“ Messe Halle 4








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