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Mittwoch, 23. Mai 2012

Montag 14. November 2011 - 09:00

Wege zu demografischer Fitness und mehr Beschäftigung

Von: ISDNM/IW Köln/besch

In mehr als jedem zweiten Unternehmen wird das Thema „Beschäftigung älterer Arbeitnehmer“ gezielt im Rahmen der Personalpolitik behandelt. Dieser Entwicklung muss auch die Gesetzgebung folgen.

Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer der INSM, während seines Statements (Foto: Bernd Schenke)

(IW Köln/ISNW/besch) „Sonderrechte für ältere Arbeitnehmer sind überflüssig und schädlich“, erklärte Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Auf einer Pressekonferenz in Berlin stellten die INSM und das Institut der Deutschen Wirtschaft, Köln (IW Köln) eine Studie zum Thema „Karriere und Beruf 50plus“ vor.

Die ursprünglich als Schutz gedachten gesetzlichen Kündigungsregeln bauten für Ältere eine kontraproduktive Eintrittshürde in den Arbeitsmarkt auf. Aus demselben Grund muss die Bezugsdauer des Arbeitslosengeld I für alle Altersgruppen auf maximal zwölf Monate beschränkt werden. Durch die längere Bezugsdauer wird älteren Arbeitnehmern die Motivation genommen, die sich ihnen bietenden Chancen am Arbeitsmarkt zu nutzen. Auch ein allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn hätte negative Auswirkungen auf die Beschäftigungschancen der über 50-Jährigen, so der Standpunkt von Pellengahr.

Steigende Lebenserwartung im Rentenalter

Dr. Oliver Stettes vom IW Köln erläuterte den Medien die Eckpfeiler der von seinem Institut angefertigten Studie.Die Vorzeichen für die Verlängerung der Lebensarbeitszeit sind günstig, denn die Beschäftigungssituation der Altersjahrgänge 50plus hat sich deutlich verbessert. In den vergangenen elf Jahren ist ein deutlicher Beschäftigungsanstieg in den Altersjahrgängen 50plus zu verzeichnen:

Die Anzahl der 60- bis 64-Jährigen unter den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hat sich zwischen März 2000 und März 2011 mehr als verdoppelt.

- Bei den 55- bis 59-Jährigen gab es ein Plus von mehr als 24 Prozent.

- Bei den 50- bis 55-Jährigen wuchs die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung um knapp 45 Prozent.

Hinter diesem Anstieg verbirgt sich vor allem eine bessere Ausschöpfung des Beschäftigungspotenzials in den oberen Altersklassen. In den vergangenen zehn Jahren ist der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Altersklasse der 60- bis 64-Jährigen, bezogen auf die gleichaltrige Bevölkerung, von elf Prozent auf knapp 25 Prozent angestiegen. Bei den 55- bis 59-Jährigen ist mittlerweile fast jeder Zweite sozialversicherungspflichtig beschäftigt, im Jahr 2000 waren es dagegen nur 43 Prozent.

Anzeichen für zunehmende Bewegung auf dem Arbeitsmarkt Älterer …

Der Abschied vom bis Mitte der 1990er Jahre vorherrschenden arbeitsmarktpolitischen Paradigma, Älteren den frühzeitigen Ausstieg aus dem Erwerbsleben zu ermöglichen, hat auf dem Arbeitsmarkt seine positiven Spuren hinterlassen. Ältere bleiben länger in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung, die Unternehmen halten länger an ihren älteren Mitarbeitern fest.

Es hat sich allerdings nicht nur der Bestand der Beschäftigungsverhältnisse in den oberen Altersklassen erhöht, der Arbeitsmarkt für Ältere ist insgesamt in Bewegung geraten. Dies zeigt der Blick auf die gesamtwirtschaftliche Austauschrate. Sie setzt die Anzahl neu begonnener in Beziehung zur Anzahl beendeter Beschäftigungsverhältnisse.

Auf zehn beendete Beschäftigungsverhältnisse in der Altersgruppe der 50-Jährigen und Älteren kamen im Jahr 2010 rechnerisch 8,2 sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse, die neu begonnen wurden. In den Jahren 2002 bis 2005 waren dies lediglich rund sieben.

… bei weiterhin bestehenden Unterschieden zwischen jüngeren und älteren Beschäftigten

Grundsätzlich sind Ältere aber weiterhin beruflich deutlich weniger mobil als jüngere Vergleichspersonen. Die Auswertungen mit dem sozio-ökonomischen Panel zeigen, dass dies gleichermaßen für einen Wechsel des Unternehmens, den Tätigkeitswechsel beim selben Arbeitgeber und die Wiederaufnahme eines Beschäftigungsverhältnisses im Anschluss an eine Phase der Nicht-Erwerbstätigkeit oder Arbeitslosigkeit gilt. Allerdings war die Wahrscheinlichkeit, dass ein 55- bis 64-Jähriger den Arbeitgeber wechselte, zwischen 2006 und 2009 größer als im Zeitraum 1998 bis 2001. Gegenüber den Zeiträumen 1995 bis 1997 und 2002 bis 2005 ist hingegen kein Unterschied erkennbar. 

Allen Altersgruppen ist gemein, dass eine hohe Arbeitszufriedenheit die Beschäftigten von einem Wechsel des Arbeitgebers abhält, eine geringe Arbeitszufriedenheit hingegen einen solchen befördert.

In allen Altersklassen ist seit der Umsetzung der Hartz-IV-Reform die Wahrscheinlichkeit angestiegen, dass ein Beschäftigungsverhältnis aus Arbeitslosigkeit oder Nicht-Erwerbstätigkeit aufgenommen worden ist. Allerdings erweist sich im Unterschied zu den unter 54-Jährigen ein hoher Anspruchslohn bei den 55- bis 64-Jährigen weiterhin als Hürde für die Rückkehr in Beschäftigung.

Die Analyse auf Basis des sozio-ökonomischen Panels korrespondiert mit dem Befund einer Unternehmensbefragung, der zufolge die geäußerten Lohnvorstellungen älterer Bewerber die Mehrheit der Unternehmen davon abhalten, diese bzw. in einer größerer Anzahl einzustellen.

Altersbilder beeinflussen Beschäftigungsperspektiven

Negative Altersbilder stehen grundsätzlich in einem engen Zusammenhang mit einem geringeren Anteil von älteren Mitarbeitern in der Belegschaft. Wer in der öffentlichen und politischen Diskussion stets darauf hinweist, dass älteren Beschäftigten eine längere Lebensarbeitszeit nicht zugemutet werden könnte und sie besonders schutzbedürftig seien, droht negative Altersstereotype dort zu bestätigen, wo diese gepflegt werden, und sie dort zu schaffen, wo bisher keine Erfahrungen mit älteren Mitarbeitern gesammelt werden konnten.

Dabei zeigen die Aussagen der Unternehmensvertreter in der Unternehmensbefragung einmal mehr, dass ein grundsätzlich negatives Altersbild unangebracht ist. Mehr als acht von zehn Unternehmen vertreten die Auffassung, dass ältere und jüngere Arbeitnehmer unterschiedliche Stärken und Schwächen aufweisen. Dies ist zugleich auch ein Hinweis darauf, dass Unternehmen durch eine vorausschauende, am Lebenszyklus der Beschäftigten orientierte Personalpolitik die unterschiedlichen Stärken der Generationen zum Tragen bringen und den potenziell negativen Folgen des Alterungsprozesses frühzeitig begegnen können.

Fazit

Die Unternehmen müssen hierfür zum einen den geeigneten Spielraum erhalten, diesen dann zum anderen aber auch nutzen. Es ist dann genauso wichtig, dass die Beschäftigten ebenso in der Verantwortung stehen, einen eigenen Beitrag zum Erhalt ihrer Beschäftigungsfähigkeit zu leisten. Das bedeutet für die Politik: Sie sollte nicht nur am eingeschlagenen Weg einer verlängerten Lebensarbeitszeit festhalten, sondern mit Kündigungsschutz und Arbeitslosenversicherung jene Arbeitsmarktinstitutionen reformieren, die gegenwärtig die Veränderungsbereitschaft und Mobilität älterer Beschäftigter mindern.


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„Es ist immer wieder faszinierend wie Herr Dr. Schmidt, in seinen Editorials, die Stimmung der Mittelständler trifft. Und bei aller Verzagtheit in unserem Land immer wieder Worte des Mutes und der Zuversicht findet. Frau Tröger setzt mit dem Beitrag „Durchstarten 2012“ noch einmal einen drauf mit der Mahnung an uns Leser, dass vieles in unseren eigenen Händen liegt. Ich freue mich als positiver Mensch sehr, dass es mit dem PT Magazin ein Informationsmedium gibt, welches nicht mit zweifelhaften Vermutungen, sondern mit Fakten argumentiert und die positiven Seiten beleuchtet.
Hans-Jürgen Germerodt