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Dienstag 21. August 2007 - 22:30

Blüthner-Klaviere aus Sachsen können singen

Sie gehören zu den besten Klavieren der Welt: Auf einem Blüthner-Flügel spielten Bela Bartok und Peter Tschaikowski, Und Paul McCartney wurde sogar «Mr. Blüthner» genannt.

Blüthner Konzertflügel

Sie können singen, heißt es, die Klaviere von Blüthner, und das ist so ziemlich das schönste, was man von einem Piano sagen kann. Flügel und Klaviere mit dem goldenen Blüthner-Schriftzug spielen rund um den Globus ganz oben mit. Richard Wagner und Claude Debussy begeisterten sich ebenso wie Stevie Wonder oder Andrew Lloyd Webber am warmen und romantischen Klang. Seit über 150 Jahren sind die Tasteninstrumente aus Großpösna bei Leipzig weltweit gefragt.

Mit rund 100 Mitarbeitern am Stammsitz behauptet sich die Julius Blüthner Pianofortefabrik erfolgreich gegen die internationale Konkurrenz. Das in fünfter Generation in Familienhand geführte Unternehmen setzt auch in Zeiten von High Tech und Elektronik auf Tradition und Handarbeit. «Wir behalten die gesamte Produktion im Hause, vergeben nichts auswärts, sonst verliert man schnell die Kontrolle über die Qualität», sagt Firmenchef Christian Blüthner-Haessler. Er ist eigentlich promovierter Mediziner, arbeitete als Urologe in Göttingen und in mehreren europäischen Ländern. «Daneben studierte ich Betriebswirtschaftslehre», erzählt der smarte 39-Jährige. Für ihn war immer klar: Wenn die Familie ruft, übernimmt er die Firma.

Rund 350 Arbeitsstunden dauert es, bis ein Flügel fertig ist, bei Klavieren sind es etwa 180 Stunden. Pro Jahr verlassen 500 Flügel und 250 Klaviere die Julius Blüthner Pianofortefabrik GmbH. «85 Prozent der Instrumente gehen ins Ausland», erzählt Blüthner-Haessler. «Zu je etwa 30 Prozent in die USA, Asien und Europa.» Die Zukunft des sächsischen Erfolgsunternehmens sieht er vor allem im Export. «Erst 2005 haben wir Verkaufsbüros in Frankreich und China eröffnet», sagt der Firmenchef. Niederlassungen gibt es bereits in Japan, den USA, Russland, Großbritannien und den Benelux-Ländern.

Die Edel-Instrumente aus Sachsen haben ihren Preis: Für ein Einstiegsmodell muss der Interessent etwa 10 000 Euro einplanen. Große Konzertflügel können über 100 000 Euro kosten. Kunden sind Profis und professionelle Institutionen, wie Konzerthäuser, aber auch Hobbypianisten. «Die Nachfrage ist ungebrochen» erzählt der Firmenchef. Im Jahr 2004 stieg der Umsatz um acht Prozent auf 16 Millionen Euro. 2005 brachte eine weitere Steigerung.

Der besonders warme und einschmeichelnde Klang der Blüthner-Klaviere hat mit einer technischen Besonderheit zu tun: Im Gegensatz zu allen anderen Klavierbauern arbeitet Blüthner bei den höheren Tönen nicht mit drei, sondern mit vier Saiten. Der Klang hat vielleicht deshalb auch viele populäre Musiker begeistert. In den großen Studios der Plattenfirmen stehen besonders viele Blüthner-Klaviere. Auch die Beatles kamen so in Kontakt mit der Firma aus Sachsen. Paul McCartney war so begeistert von seinem Instrument, dass ihn Mit-Beatle George Harrison sogar einmal «Mr. Blüthner» genannt hat. Gegründet wurde die Pianofortefabrik 1853 von dem Tischler Julius Blüthner. Schnell zählten seine Instrumente zu den besten der Welt. Blüthner wurde zur größten Klavierfabrik in Europa. Einer der Höhepunkte der Firmengeschichte war die Atlantik-Überquerung eines Blüthner-Klaviers an Bord des Zeppelins «Hindenburg» 1936. Aus Gewichtsgründen war das Instrument nicht aus Holz, sondern aus Aluminium gefertigt. Heute ist Blüthner in Deutschland die letzte Pianofirma in Familienbesitz. Um sich als Weltmarke ganz oben zu halten, müssen sich die Sachsen gegen starke Wettbewerber durchsetzen, etwa den Branchenprimus Steinway & sons. Das börsennotierte Unternehmen beschäftigt in New York und Hamburg etwa 1000 Mitarbeiter. Rund 3000 Flügel und 600 Klaviere werden dort im Jahr gebaut.

In der DDR wurde Blüthner wie viele andere private Unternehmen 1972 verstaatlicht. «Damit ging jede unternehmerische Freiheit verloren», sagt Blüthner-Haessler. Doch der Vater Ingbert hielt die Stellung, blieb im Unternehmen. Auch zu DDR-Zeiten waren Blüthner-Instrumente im In- und Ausland gefragt. Die Produktion konnte den Bedarf aber nicht decken. Es gab Vorbestellungen auf Jahre im Voraus. 1990 bekam Ingbert Blüthner-Haessler sein Unternehmen zurück. Nach der Reprivatisierung begann der Weg in die Marktwirtschaft.


Kontakt:
Christian Blüthner-Haessler
+49- (34297)-7513
E-Mail: info@bluethner.de
URL: http://www.bluethner.com/

© dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH


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