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Was, zum Teufel, ist „reale Wirtschaft“?
Seit dem Ausbruch der weltweiten Finanzmarktkrise wird auf allen Kanälen darüber sinniert, wie man die reale Wirtschaft davor schützen kann, dass die Finanzmarktkrise „durchschlägt“. Wie bereits vor der Krise gibt es eine geradezu unüberschaubare Zahl von „Experten“, die angeblich genau wissen, was gemacht werden muss. Die wenigsten von ihnen haben jemals selbst einen einzigen nicht subventionierten Arbeitsplatz geschaffen. Je nach politischer und ideologischer Herkunft unterscheiden sich deren Vorschläge teilweise bis zur Gegensätzlichkeit. Von Handelsblatt bis Bildzeitung, von ARD bis RTL kann man nahezu alle möglichen Überlegungen in unterschiedlichster Differenziertheit zur Kenntnis nehmen und studieren.
Je mehr Anne Will und andere Moderatoren ihren Talkshow-Experten aus Parteien, Verbänden und Amtsstuben helfen, erfolgreich aneinander vorbeizureden, umso unterhaltender.
Je unterhaltender, umso bessere Einschaltquoten. Je bessere Einschaltquoten, umso wichtiger ist das Format für den Sender. Je leichter Betroffenheits-Journalismus zelebriert wird, umso willkürlicher die „Fakten-Checks“. In vielstimmigem Durcheinander springen die sich streitenden Experten, Betroffenen, Moderatoren und Präsentatoren alle miteinander wie Lemminge in den Ozean thematischer Beliebigkeit.
Was, zum Teufel, soll „reale Wirtschaft“ sein? Gibt es auch andere Wirtschaften? Was ist das Gegenteil oder die Ergänzung zum Begriff der „realen Wirtschaft“? Irreale Wirtschaft? Fiktive Wirtschaft? Virtuelle Wirtschaft? „Scheinwirtschaft“?
Haben Fiskus und staatliche Aufsichtsbehörden die Blasen am Finanzmarkt nicht gesehen? Die nüchterne Antwort ist: Doch. Sie haben das gesehen. Sie haben das sogar gefördert. Solange die Kapelle spielte, lobten und prämierten Landesregierungen ihre Landesbanken für die in Irland erzielten Casino-Renditen. Solange der Staat die Scheingewinne der Scheinwirtschaft real besteuern konnte, tat er es. Solange sich damit stagnierende Volkseinkommen und wachsende Inflationsraten tarnen ließen – wen kümmerte da die „Realwirtschaft“?
Unter „realer Wirtschaft“ verstehen all diese Experten Unternehmen, in denen wertschöpfende Arbeit passiert: also den Maschinenbaubetrieb, den Klempner, den Einzelhändler, das private Pflegeheim, die Dienstleister, Produzenten und Händler. Unternehmen, die aufgrund der Finanzmarktkrise und der Bankenzockereien nun keine Kredite mehr bekommen, um Investitionen oder Aufträge vorzufinanzieren. Vielen Banken ist das Risiko, dass ein solcher Kreditnehmer zahlungsunfähig wird, zu hoch. Das Finanzsystem wackelt, die Wirtschaft stolpert. Wer in diesem Zusammenhang die Begrifflichkeit „reale Wirtschaft“ braucht, der zeigt, dass er den Bezug zur Realität offenbar schon lange verloren hat. Das Gegenteil der „realen Wirtschaft“ ist überhaupt keine Wirtschaft. Es ist bestenfalls Zockerei. Häufig sogar Betrug – nicht selten staatlich subventioniert und gefördert.
Es gibt in Wirklichkeit keine andere als die „reale“ Wirtschaft. Deren Kern, deren Rückgrat, deren stabiles und flexibles Zentrum ist der unternehmerische Mittelstand. Der gehört in den Mittelpunkt der Debatten in Parlamenten und Medien.
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Leserbrief
Zu: P.T. Magazin 4/2010
„Vertrauen ersetzt Kontrolle“
„Achim Kopp schildert ein wunderbares System. Zu jedem seiner Punkte beglückwünsche ich ihn. Das ist gut durchdacht und überzeugend praktiziert. Das funktioniert bei ihm besser als in jeder Familie. Das nenne ich Unternehmenskultur.“
Dieter Brandes

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