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Montag, 06. September 2010

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Kategorie: P.T. Bücher
Freitag 24. August 2007

Was ist ein Unternehmer?

 

Eberhard Hamers Buch “Was ist ein Unternehmer?�? sollten sich alle neuen Bundestagsabgeordneten zu Gemüte führen.

Prof. Eberhard Hamer

“Warum ist der Mittelstand ein völlig unvernetztes Konglomerat ohne große Repräsentanz in unserer Verbände-Demokratie?… Bisher konnten uns Politik, Konzerne und Gewerkschaften immer auseinandernehmen, weil jeder von uns getrennt und mit zu schwacher Hausmacht auftrat�?, sagte der Präsident der Deutschen Mittelstandsstiftung, Eberhard Hamer. "Wenn sich unsere Verbände nun gemeinsam äußern, geschieht dies im Namen von mehr als einer Million deutscher mittelständischer Betriebe und etwa zehn Millionen Mitarbeitern", sagte Hamer. Das seien mehr Mitarbeiter, als die Gewerkschaften aufzubieten haben. "Ein solches Mittelstandspotenzial kann nicht mehr übersehen werden." Doch das blieb bisher noch immer eine Illusion.

Rückgrat und Sozialismus

Ohne Mittelständler ist keine Marktwirtschaft zu machen. Tatsächlich war die Zerschlagung des Mittelstandes in der DDR 1972 einer der ausschlaggebenden Faktoren für die ökonomische Schwäche jenes auf zentralen Kommandostrukturen aufgebauten Wirtschaftssystems und damit letztlich auch seines Bankrotts. Das hatte aber auch eine sozialpolitische Bedeutung: Das Bürgertum sollte seines sozialen Rückgrats, seines Selbstbewusstseins und seiner ökonomischen Basis zu Gunsten des Proletariats beraubt werden.

Heute haben rund zwei Drittel aller abhängigen Beschäftigten und sogar vier Fünftel der auszubildenden Lehrlinge ihren Arbeitsplatz in mittelständischen Betrieben. Während Großunternehmen vor allem durch Stellenabbau in den Dimensionen von 10.000 Arbeitsstellen in die Schlagzeilen der Medien geraten, werden die so dringend benötigten Arbeitsplätze überwiegend von mittelständischen Betrieben geschaffen. Doch die vielen kleinen Erfolge finden keinen Niederschlag in der Presse.�?

Mit öffentlichen Förderprogrammen versucht der Staat, Mittelstandsexistenzen zu befördern. Das lohnt sich auch für den Staat: Das Münchener Ifo-Institut hat zusammen mit dem bifego (Betriebswirtschaftliches Institut für empirische Gründungs- und Organisationsforschung) in Dortmund in den Jahren 1992 bis 1994 ein umfangreiches Gutachten über die gesamtwirtschaftlichen Wirkungen der Existenzgründungssubventionen erstellt.

Die aufwendigen Modellrechnungen ergaben: die subventionierten Aktivitäten der Existenzgründer bewirken Mehreinnahmen und Minderausgaben des Staates. Der Finanzierungssaldo der öffentlichen Haushalte verbesserte sich während der Laufzeit des Eigenkapitalhilfeprogramms (EKH-Programm) um durchschnittlich 3 Milliarden DM jährlich. Das bedeutet, dass die Existenzgründungsförderung der öffentlichen Haushalte bis heute per saldo nicht nur nichts gekostet hat, sondern einen positiven Beitrag zur Konsolidierung der Staatsschuld geleistet hat.

Existenzgründerförderung …

Von den seit 1987 insgesamt geförderten 46.164 Existenzgründungen verblieb unter Berücksichtigung der gescheiterten Gründungen Ende 1992 ein Bestand von 45.300 “überlebenden�? Existenzgründern. Längerfristig könnten sich davon schätzungsweise 40.600 behaupten. Berücksichtigt man weiter “Mitnahmeeffekte�? (also Gründungen, die auch ohne staatliche Hilfe erfolgt wären) von rund 20 %, wie empirische Untersuchungen zeigen, verbleiben Ende 1992 etwa 32.500 echte zusätzliche Existenzgründer, die ohne dieses Hilfsprogramm nicht aufgetreten wären.

Die direkten Kosten für den Bundeshaushalt, die sich aus Zinszuschüssen und der Ausfalldeckung zusammensetzen, beliefen sich während der Laufzeit des Programms auf weniger als 200 Mio DM pro Jahr. Setzt man je neu gegründetem Unternehmen nur drei zusätzliche Arbeitsplätze in Rechnung, konnten mit einem verhältnismäßig bescheidenen Fördervolumen rund 100.000 Arbeitsplätze geschaffen werden.

Diese Zahlen entsprechen den empirischen Erhebungen, die der Wissenschaftliche Beirat der Oskar-Patzelt-Stiftung vor einigen Jahren zu den Unternehmen angestellt hat, die für den “Großen Preis des Mittelstandes�? nominiert wurden: Im Schnitt wird eine einmalig ausgegebene finanzielle Förderung, die in der Regel ja nur ein Zinszuschuss ist, jährlich durch den Staat an höheren Abgaben und Steuern und durch Senkung der Kosten der Arbeitslosigkeit wieder hereingeholt.

Warum wird dann nicht mehr in den Mittelstand investiert? Darauf gibt Hamer in seinem Buch "Was ist ein Unternehmer?" treffend formulierte Antworten. Es ist jedem Unternehmer und Selbständigen nur zu empfehlen und sollte Pflichtlektüre für Staatsbedienstete und Abgeordnete werden. Im Kern geht es um die Frage: Wenn der Mittelstand sowohl die Subventionen für die Großindustrie finanziert, als auch die sozialen Wohltaten für die Nichtselbständigen, warum wird dann keine Mittelstandspolitik mit Ausnahmeregelungen für die Großindustrie gemacht, sondern Wirtschaftspolitik für die Großindustrie mit Ausnahmeregelungen für den Mittelstand?

Und im Kern lautet die Antwort: Weil ein wohlbehütetes Vorurteil aufrechterhalten werden muss: “Unternehmen sind sozial, aber Unternehmer sind Ausbeuter�?, und weil damit ein beharrlich gepflegter Irrtum ständig neu genährt werden kann: “Wir brauchen Unternehmen, aber keine Unternehmer.�? Und weil sich mit Vorurteil und Irrtum zahlreiche gutbezahlte Subventions- und Reglementierungsposten trefflich begründen lassen.

"So waren nach dem Krieg der Wiederaufbau und das Wirtschaftswunder Folgen besonderer Unternehmerinitiative. Die Unternehmer waren aber nicht nur die Initiatoren dieses Wiederaufbaus, sondern konnten dessen Früchte auch zuerst genießen. Der Zusammenhang zwischen Leistung und Leistungsertrag war der Gesamtbevölkerung klar, so daß man die Unternehmer als Vorläufer des “Wohlstands für  alle�? anerkannte. Je mehr aber alle gewissen Wohlstand erreichten, desto weniger wurde dieser Wohlstand noch mit der Unternehmerleistung identifiziert.

Vielmehr haben sich die Sozialfunktionäre einem immer größeren Teil der Gesamtgesellschaft mit immer üppigeren Sozialleistungen als Wohlstandsbringer präsentieren können und damit die Diskussion um Leistung, Leistungsertrag und Umverteilung in eine neue Richtung von Gleichheit und angeblicher sozialer Gerechtigkeit umgebogen.Dadurch wurde in der Gesellschaft eine zunehmende ideologische Unternehmerablehnung erreicht. Bevorzugte Studienwünsche waren in den siebziger Jahren Sozialberufe aller Art. Die Gesellschaftliche Führungsrolle der Unternehmer wurde so durch eine neue Führungsrolle der Sozialfunktionäre abgelöst.

… Subventionsbürokratie

Aus diesem Grund ist eine Rückbesinnung auf den gesamtgesellschaftlichen Nutzen der Unternehmer unerläßlich. Nur wenn die Mehrheit der Bevölkerung diese gesellschaftliche Gruppe wieder als persönlichen Nutzen für sich empfindet und unseren derzeitigen Wohlstand wieder als Leistung der Unternehmerschaft erkennt, kann daraus auch wieder ein höheres Ansehen der Unternehmer, mehr Attraktion des Unternehmerberufes und mehr Unternehmernachwuchs, für mehr Betriebe, für mehr Arbeitsplätze und für mehr Wirtschaftswachstum entstehen.


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Leserbrief

Zu: P.T. Magazin 3/2010

„Das Magazin liest sich kurzweilig, ist persönlich im Stil und kritisch. Interessant sind die Berichte und Anzeigen der vielen Mittelständler. Sie sind informativ und stellen ein gutes Medium dar, um neue Kontakte zu knüpfen.“

Christian Kalkbrenner