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Tatort Greiz und die BfI-Bank-Pleite. Teil 2
Der wundersame Aufstieg des Würzburger Wirtschaftsprüfers Karl-Heinz Wehner im thüringischen Greiz und sein jäher Fall als Privatbanker im sächsischen Dresden. Der 1994/95 nach Konkurs wie ein Verbrecher behandelte Greizer Existenzgründer Hans-Werner Günther wurde dagegen nach achtjährigem Strafverfahren im April vom Landgericht Gera quasi freigesprochen.
Der Steuerberater
Als Karl-Heinz Wehner nach 1990 das beschauliche Würzburg verließ, um im Nachwende-Osten sein Glück zu suchen, wurde er im thüringischen Greiz fündig. Gemeinsam mit den Rechtsanwälten Uwe Albert, Udo Freier und Jens Rabenhold hatte Wehner bereits 1991 eine gut florierende Rechtsanwalts und Steuerberaterkanzlei in Greiz laufen. Albert arbeitete auch für die örtliche Raiffeisen Volksbank. Deren Vorstand wurde seit 1990 von Reinhilde Limmer geleitet, die zwar seit Jahrzehnten als Bankerin in Greiz bekannt war, aber wie alle Ossis über Nacht eine neues Wirtschaftssystem erlernen musste. Die joviale Hilfe des Würzburgers tat da gut. Wehner machte hervorragende Geschäfte und gründete im April 1995 im sächsischen Dresden eine Aktiengesellschaft zur Förderung von Immobilieneigentum, die er nur ein Jahr später mit 5 Millionen DM ausstattete und wenige Monate danach mit 10 Millionen DM Grundkapital zur BfI-Bank umfirmierte.
Bis zum Schluss hielt er zwei Drittel des Aktienkapitals der Bank, in deren Aufsichtsrat er gute Bekannte holte: Unter anderem die Vorstandsvorsitzende des Raiffeisen-Volksbank Greiz Reinhilde Limmer und das Aufsichtsratsmitglied dieser Bank, seinen Kanzleipartner Uwe Albert.
Der Banker
Ebenfalls 1996 gründete Wehner im sächsischen Radeberg die EUROPEA Wohnungsbaugenossenschaft mit dem BfI-Bank-Vorstand Wolfgang Werner im Vorstand und dem BfI-Aufsichtsratsmitglied Uwe Albert im Aufsichtsrat, um eine Lücke im Eigenheimzulagengesetz zu vermarkten. Vom Erfolg verwöhnt, gewann Wehner sogar eine Klage gegen das Bundesfinanzministerium, als dieses die Gesetzeslücke auf dem Verwaltungsweg schließen wollte. Der Kontrolle seiner staatlich nicht überwachten Kapitalanlagen entzog sich die EUROPEA hingegen noch im September 2002 (www.anlegerschutz.de). Es wiederholte sich, was Wehner bereits aus seiner Würzburger Zeit kannte: Die Presse schrieb zu seinen Geschäften, er sei auf Dummenfang aus und er betreibe Anlegertäuschungsmanöver" (www.wirtschaftsfahndung.de, München).
Doch die BfI-Bank florierte. Geschäft und Eigenkapital stiegen steil nach oben. In Berlin und Stuttgart wurden Aktien der Bank an der Wertpapierbörse gehandelt. Wehner baute ein Repräsentantennetz auf, dem vergangenes Jahr bundesweit 600 Vermittlungsbüros angehörten. Alles lief bestens, Übernahmen, Expansionen, internationale Geschäfte. Doch urplötzlich ordnete die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) die Schließung der BfI-Bank an, nachdem 216 Millionen EUR Verbindlichkeiten mehr als die Hälfte des Eigenkapitals aufgezehrt hatten. Da die BfI nicht dem Einlagensicherungsfond angehörte, ist bei der Bank-Pleite der Entschädigungsanspruch je Kunde auf maximal 20.000 EUR begrenzt, obwohl die durchschnittliche Einlagesumme je Anleger 40.000 EUR betrugt. Wehner ging. Die Sonderbeauftragten der Bafin Wolfgang Schneider und Michael L. Wiedenroth kamen.
Der Lada-Verkäufer
1994 kündigte die Raiffeisen-Volksbank Greiz dem jungen Autohändler Hans-Werner Günther plötzlich alle Kredite, so dass dieser Konkurs anmelden musste. Oben erwähnter Uwe Albert stellte für die Bank Strafanzeige gegen Günther wegen Kreditbetrug und Untreue. Dabei hatte die Bank selbst genug Dreck am Stecken: Mehrere hunderttausend DM waren verschwunden, weil sie ihrer gesetzlichen Verpflichtung als Depotbank für die KfZ-Briefe der von Günther verkauften Autos nicht nachgekommen war. Dafür wurde sie vom damaligen Bundesaufsichtsamt für Kreditwesen offiziell gerügt, feuerte jedoch Ende 1995 Günther als Genossenschaftsmitglied.
Der unerfahrene Günther war schließlich das geeignete Schlachtschwein" in einer Affäre, die weite Kreise zog: So verlangte sogar der Wuppertaler Journalist Wolfram Huncke vom damaligen CDU-Generalsekretär Peter Hintze, dafür zu sorgen, einen so bescholtenen Mann (wie Günther) als Stadtrat und Vertreter Ihrer Partei" nicht zu akzeptieren.
Der Werkzeugmacher Günther war zwar lediglich mit einem Kurzkursus in DDR-Buchhaltung ausgebildet". Doch die PR-Lawine überrollte ihn: Angeblich sollte er es geschafft haben, den erfahrenen Hauptbuchhalter und Geschäftsführer seines Autohauses Soßna, das Steuerbüro Völkel, die Kundenbetreuer, Kreditsachbearbeiter und Innenrevision der Hausbank und der Bürgschaftsbank Thüringen auszutricksen". Und das auch noch zum eigenen Schaden! Günthers Geschichte ist beileibe kein Einzelfall. Doch während die meisten in seiner Lage resigniert hätten, krank geworden wären oder ihrem Leben ein Ende gesetzt hätten, gab er nicht auf: Er wollte rehabilitiert werden.
Soßna ist bereits seit Jahren pleite, die Raiffeisenbank konnte, angeschlagen, mit der Plauener Nachbarbank fusionieren und die BfI-Bank in Dresden wurde jüngst im Konkurs geschlossen. Acht Jahre nachdem die Raiffeisenbank Günther angezeigt hatte, reichte es trotz mehrjähriger Ermittlungen der Staatsanwaltschaft am Landgericht Gera nur noch zu 90 Tagessätzen Geldstrafe gegen Günther. Im Verhältnis zu den ursprünglichen Anschuldigungen ist das quasi ein Freispruch, bei dem die Justiz ihr Gesicht nicht gänzlich verlieren musste.
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Leserbrief
Zu: P.T. Magazin 4/2010
„Vertrauen ersetzt Kontrolle“
„Achim Kopp schildert ein wunderbares System. Zu jedem seiner Punkte beglückwünsche ich ihn. Das ist gut durchdacht und überzeugend praktiziert. Das funktioniert bei ihm besser als in jeder Familie. Das nenne ich Unternehmenskultur.“
Dieter Brandes

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