Unternehmen, Arbeit

Global Mindset statt interkultureller Kompetenz

Wenn es hakt bei der Zusammenarbeit in internationalen Teams, galt bisher interkulturelle Kompetenz als Allheilmittel. Doch ein Wissen um angemessenes Verhalten im Umgang mit Chinesen oder Amerikanern reiche nicht, sagt Uwe Göthert, Deutschland-Chef von Dale Carnegie Training. „Global aufgestellte Unternehmen müssen ein ebenfalls globales Mindset ihrer Führungskräfte implementieren.“
© Rawpixel.com / Fotolia
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Die Harmonisierung der Denkweise sei eine wesentliche Aufgabe bei der Entwicklung von Managern, so Göthert weiter. Es handle sich dabei nicht um ein Nice-to-have, sondern um die unabdingbare Voraussetzung für Wachstum. Wenn nämlich Niederlassungen in verschiedenen Ländern national-isolierte Sonderwege verfolgten, gebe es immense Reibungsverluste. „Dann die Ressourcen so zu bündeln, dass sie einem gemeinsamen Ziel zugutekommen, ist fast unmöglich. Die Fokussierung funktioniert nur, wenn es einen einheitlichen Standard gibt.“
 
Wie relevant ein über Grenzen hinweg gültiges Verständnis von Führung ist, zeigen Zahlen: So haben sich laut Dale Carnegie die deutschen Direktinvestitionen im Ausland seit dem Jahr 2000 mehr als verdreifacht. „Wir erleben einen Wandel von der Betonung des Exports zur Produktion im Ausland“, erläutert Göthert. Der Auslandsumsatz allein sei nicht mehr ausschlaggebend, man müsse sich die enorme Dynamik bei grenzüberschreitenden strategischen Allianzen, internationales Joint Ventures sowie Unternehmensakquisitionen und Fusionen anschauen.
 
Internationalität ist Normalfall

„Die Internationalität unternehmerischen Handelns ist zum Normalfall geworden“, bringt dies Dr. Karlheinz Schwuchow von der Hochschule Bremen auf den Punkt. Schwuchow ist im Beirat von Dale Carnegie Deutschland aktiv, hat eine Professur für Internationales Management inne und gibt seit 1990 das Jahrbuch Personalentwicklung heraus. Der Experte weiß, dass die Welt dennoch längst keine Einheit ist. „Wir brauchen deshalb eine Balance von globaler Standardisierung und lokaler Anpassung. Das gilt für alle Unternehmen, die transnational agieren und deren Zahl wächst ständig.“
 
Welche Bedeutung das für die Personalarbeit hat, belegen laut Schwuchow weitere Zahlen: Vor zehn Jahren waren rund 40 Prozent der Belegschaft von DAX-Unternehmen im Ausland tätig, heute sind es im Durchschnitt mehr als 60 Prozent – mit steigender Tendenz. Das hätten die für die Personalstrategie Verantwortlichen noch nicht überall zur Kenntnis genommen, meint Schwuchow. „Zumindest herrscht oft weiterhin die exportorientierte Denkhaltung vor oder anders ausgedrückt: Man denkt ethnozentrisch, sieht die Aktivitäten im Ausland lediglich als Erweiterung derer im Inland.“
 
Ergo:

Strukturen und Prozess, Konzepte und Methoden des Heimatlands der Muttergesellschaft dominieren. Als Ersatz dieser letztlich das Wachstum hemmenden Sichtweise könne aber keineswegs die polyzentrische Lösung dienen, meint Schwuchow. Die würde unterschiedliche Teilkulturen erzeugen inklusive differierender Maßstäbe etwa für die Qualifikationen. Gefordert sei stattdessen ein transnationales Personalmanagement, das sowohl global wie lokal, sowohl zentralisiert wie dezentralisiert agiere. Erfolgreiche Unternehmen würden ihre Führungskräfteentwicklung als Gesamtsystem und nicht als Aneinanderreihung einzelner Programme betrachten.
 
Bei Motivation und Einstellung ansetzen


Genau diese Philosophie verfolgt Dale Carnegie bei seiner Haupt-Zielgruppe, den „Hidden Champions“ mit internationaler Ausrichtung. Göthert: „Wir erarbeiten mit dem Kunden klare strategische, kulturelle und operative Ziele für die Entwicklung der Mitarbeiter“, sagt Göthert. Beim Training selbst setze man bei Motivation und Einstellung an, die eine wichtige Rolle für die Leistungsbereitschaft spielen würden. Der große Vorteil der in 90 Ländern aktiven Trainings-Organisation sei die Kombination einheimischer Trainer mit einheitlichen Methoden. „Das ermöglicht uns den Aufbau der erforderlichen Unternehmenskultur, die global gültig ist und dennoch lokal akzeptiert wird.“
 
Hier erfahren Sie mehr: Mitarbeiter-Management steigern und internationale Trainingsprojekte

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