Engagement, Bücher, Wirtschaftsgespräche

Verantwortung zu übernehmen ist für Führungskräfte essentiell

Friedhelm Wachs ist seit über 30 Jahren erfolgreicher Unternehmer, Berater und international als Verhandlungsexperte eine Erste Adresse. Vor kurzem wurde er auch als Herausgeber des Buches „Evangelisch. Erfolgreich. Wirtschaften“ bekannt. Ein Buch, in dem prominente protestantische Führungskräfte über ihren Glauben, ihr Leben und die Rolle als Führungskraft sprechen. Wir haben die Gelegenheit genutzt, mit ihm über die Verbindung aus Glauben, persönlicher Verantwortung und wirtschaftlichem Erfolg zu sprechen und wollten von ihm wissen, wie eine erfolgreiche Verhandlung gelingt.
Friedhelm Wachs 2
Friedhelm Wachs 2
Das Interview führte der Mittelstandsexperte Christian Wewezow. Er ist Kuratoriumsvorsitzender der Oskar-Patzelt-Stiftung, Vorsitzender des Netzwerks der Besten, Geschäftsführender Gesellschafter der Clockwise Consulting GmbH und war Bundesvorsitzender der Wirtschaftsjunioren Deutschland.

PT Magazin: Sie sind Herausgeber des Buches „Evangelisch. Erfolgreich. Wirtschaften“. In diesem Buch sprechen bekannte protestantische Führungskräfte über ihren Glauben. Wie kam es zu der Buchidee?


Friedhelm Wachs: Unternehmer haben in kirchlichen Strukturen immer noch mit Vorurteilen zu kämpfen und sehen sich vielerorts mit dem Vorwurf konfrontiert, sich nur bereichern zu wollen. Das ist ein falsches Bild. Es gibt natürlich, wie in jeder anderen Berufsgruppe auch bei Unternehmern Negativbeispiele. Aber eben auch nicht mehr als anderswo auch. Wie überall macht ein schwarzes Schaf noch keine schwarze Herde.
Mit diesem Buch wollte ich mit Bischoff Wolfgang Huber, dem ehemaligen Ratsvorsitzenden der EKD und Peter Barrenstein, dem AEU Vorsitzenden und ehemaligen McKinsey Personalchef ein positives Zeichen setzen und zeigen, wie verantwortungsvolles Wirtschaften im Einklang mit dem evangelischen Glauben aussehen kann. Martin Luther hat den zentralen Zusammenhang von Freiheit und Verantwortung mit der Rechtfertigungslehre belegt. Zudem geht es darum, dass jeder an seinem Platz, seinen Fähigkeiten entsprechend, seinen Beitrag leistet. Dies gilt eben auch für Unternehmer und die Rolle der Führungskraft. Sie ist eine Aufgabe wie jede andere auch.

PT Magazin: Wie schwierig war es, diese Persönlichkeiten, die alle sehr in der Öffentlichkeit stehen, dazu zu bewegen, so persönlich über sich und ihren Glauben zu berichten?
Friedhelm Wachs: Es ging überraschend schnell. Auf meiner Short-List von Wunschinterviewpartnern standen 50 Namen – 35 davon finden Sie in diesem Buch. Andreas de Maizière, Frank Weise, Brigitte Mohn sind nur Beispiele. Mir gefallen die sehr persönlichen Einblicke, die alle in ihren Glauben und ihr Berufsleben geben. Wir wollten kein „Besinnungsbuch“ herausgeben, in dem sich alle nur mit einem schönen Zitat zu ihrem Glauben bekennen. Deshalb haben wir bei jedem sehr individuell das Besondere herausgearbeitet durch das man dem jeweiligen Menschen sehr nahe sein kann. Auf diese Weise ist ein sehr vielseitiges Buch entstanden.

PT Magazin: Was waren für Sie persönlich die spannendsten Momente?
Friedhelm Wachs: Da waren einige dabei. Mich fasziniert die Klarheit der Menschen, die sich in dieser Ellenbogenwelt auf die wirklich wichtigen Dinge konzentrieren: Auf den Menschen im Mitarbeiter, auf ihre Vorbildrolle und auf ihr Wissen um ihre Fehlbarkeit.

PT Magazin: Evangelische Unternehmer gelten als besonders erfolgreich. Stimmt das? Und woran könnte das liegen?
Friedhelm Wachs: Ja, das stimmt! Dazu gibt es tatsächlich Untersuchungen. Auch wenn es typisch protestantisch ist, dass wir das Wort „Erfolg“ eigentlich nicht gerne verwenden.
Ein wichtiger Grund für den Erfolg evangelischer Unternehmer liegt im protestantischen Arbeitsethos. Arbeit ist per se Gottesdienst. Wenn ich noch eine Stunde zusätzlich arbeiten und etwas schaffen kann, dann mache ich das, ohne lange zu zögern. Zudem spielt Konsum keine Rolle und in den Familienunternehmen wird möglichst wenig Geld entnommen und stattdessen immer wieder in den Betrieb reinvestiert.

PT Magazin: Im Calvinismus gelten wirtschaftlich erfolgreiche Menschen als besonders von Gott gesegnet, spielt das auch eine Rolle?
Friedhelm Wachs: Dieses calvinistische Denken, wie man es heutzutage in den USA noch häufig findet, spielt in Deutschland kaum eine Rolle. Obgleich ich es schon schwierig finde, wenn wir 500 Jahre Reformation feiern und Hus, Calvin und Zwingli neben Luther kaum Erwähnung finden. Viele übersehen, dass es immer wieder und vor Luther quasi evangelische Reformbewegungen in der Kirche gegeben hat.

PT Magazin: Was bedeutet für Sie, mit dem Glauben führen?
Friedhelm Wachs: Menschenliebe und die Übernahme von Verantwortung sind die Hauptfaktoren: Ich sehe es als großes Problem und der Gesellschaft schadend an, dass in Politik und Management häufig versucht wird, Fehler zu überspielen und sich weg-zu-ducken. Im Zweifel möchte es keiner gewesen sein, wenn etwas schiefgeht. Man kann nicht die Früchte des Erfolges ernten wollen, aber den Misserfolg anderen überlassen.
Zu seinen Grundsätzen zu stehen und Verantwortung für die eigenen Handlungen zu übernehmen, ist für mich etwas sehr Zentrales für eine funktionierende Gemeinschaft. Ich denke, wir brauchen auch innerhalb der Kirche eine Debatte über Fehlerkultur und den Umgang mit Fehlern.

PT Magazin: Alle Führungspersönlichkeiten sprechen über ihr wichtigstes Bibelwort: Welches ist Ihres?
Friedhelm Wachs: Besonders geprägt hat mich der Spruch über dem Schreibtisch meines Ur-Großvaters: Ein seel’ger Blick gen Himmel ist oft besser als ein falsch Gebet.
Außerdem ist mein Leitvers: „Und dienet einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes“ (1Petr 4,10; LUT). Für mich persönlich bedeutet dies: Die Diversität der Menschen ist ein Erfolgsfaktor. Und aus meiner lutherischen Haltung sage ich: Mit Menschenliebe meine Arbeit gut zu machen, ist Gottesdienst.

PT Magazin: Der berufliche Platz, an dem Sie im Leben stehen, ist der eines weltweit erfolgreichen Beraters und Verhandlungsexperten: Was bedeutet diese Arbeit für Sie?
Friedhelm Wachs: Für mich bedeutet Berater sein im besten Sinne des Wortes Unternehmer sein. Es geht darum, Menschen zu befähigen, ein Ziel zu erreichen. Dabei auf intrinsische Mittel beim Kunden setzen zu müssen, weil mir in der Regel das Machtinstrument direkter Hierarchie fehlt. Beratung braucht Menschenliebe. Das gilt in der Arbeit für Konzerne, Eigentumsunternehmer und Politik, auf nationalem und internationalem Niveau, gleich in welcher Branche.

PT Magazin: Sie sind ein bekannter Verhandlungsexperte, den auch große Unternehmen holen, wenn es um wichtige Entscheidungen geht. Wie vertragen sich Verhandlungsstrategie und christliche Prinzipien? Gibt es da nicht gelegentlich Kollisionen?
Friedhelm Wachs: Verhandeln ist, wie alles im Leben, eine Frage des persönlichen Stils aber zuerst der richtigen Strategie. Werte und Haltung spielen für diese Strategie eine wichtige Rolle. Wenn ich zum Beispiel ein Wettrennen veranstalte, wird es immer die Menschen geben, die versuchen, eine Abkürzung durch den Nachbarsgarten zu finden. Und es gibt diejenigen, die mit regulären Mitteln ans Ziel kommen wollen. Das ist bei Geschäften, bei denen es um viel geht, genauso. Man muss sich immer am Anfang fragen: „Was treibt mich an und welche Strategie folgt daraus, um erfolgreich ans Ziel zu kommen?“
Ich bereite TOP Führungskräfte und Unternehmer auf Verhandlungen vor oder führe diese manchmal auch selbst. Im Vorfeld überlegen wir uns neben den Zielen auch die passenden Alternativen. Jenen Punkt, an dem wir aussteigen können. Außerdem ist es wichtig, sich die Interessen und Optionen der anderen Seite vor Augen zu führen. Meine Verhandlungen führe ich an die Kultur des Gegenübers angepasst und immer mit Respekt vor den Menschen. Nur dann erziele ich auch in harten Auseinandersetzungen ein für den Kunden herausragendes Ergebnis. Letztlich muss man sich vor Augen führen, was es bedeutet, wenn man gemeinsame Regeln nicht einhält und ob man mit den Konsequenzen leben möchte. Ich kenne leitende Bankmanager, die vor über zehn Jahren vor der Finanzkrise gewisse Regeln nicht zur Kenntnis nehmen wollten, die die Tricksereien ihrer Mitarbeiter geduldet oder gefördert und dann weggesehen haben. Nun ist Ihnen seit Jahren bis heute der regelmäßige Gang vor Gericht als Beschuldigte geblieben. Das nimmt Lebenszeit.

PT Magazin: Haben Sie Verhandlungstipps für uns?
Friedhelm Wachs: Eine gute Vorbereitung ist das Wichtigste. Denken Sie „out of the box“. Nutzen Sie das ebene Beschriebene. Führen Sie sich alle ihre Optionen vor Augen, begründen Sie sich Ihre Ziele und versuchen Sie, sich in die Lage des Verhandlungspartners einschließlich seiner Alternativen hinein zu versetzen. Wenn Sie dann das Ergebnis beherzigen, haben Sie schon vieles richtiggemacht.

Weitere Buch-Informationen:

Peter Barrenstein | Wolfgang Huber | Friedhelm Wachs (Hg.)
Evangelisch. Erfolgreich. Wirtschaften.
Protestantische Führungskräfte sprechen über ihren Glauben
edition chrismon 2016
320 Seiten | Hardcover 
ISBN 978-3-96038-006-1
EUR 24,90 [D]

Es kann über den Buchhandel, Distributoren wie Amazon oder unmittelbar bei der Evangelischen Verlagsanstalt als Hardcover oder als E-Book bezogen werden.


  • Aktuell 4.0/5 Sterne.
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
4.0 von 9 Stimmen
 

Kommentare




Meistkommentierte Beiträge

  1. Verantwortung übernehmen ist essentiell (5) am 12.05.2017
  2. „2017 wird ein gutes Jahr! Aber ich habe Angst vor der Ahnungslosigkeit der Politik!" (5) am 21.12.2016
  3. Warum Sozialismus nicht funktionieren kann (5) am 30.08.2016
  4. Ist es bei Ihnen Echte Liebe? (3) am 07.04.2017
  5. Führung wird agil (3) am 04.05.2017

Meistbewerteste Beiträge

  1. Auto-Zulieferer im Wandel (3.0/7162) am 31.08.2007
  2. Ein Unternehmer baut auf Sandgold (3.0/4448) am 07.12.2016
  3. Kann sich ein „Bester“ noch verbessern? Pilotinitiative: Innovationsführer 2017 (3.0/2632) am 31.10.2016
  4. Brandenburg (2.9/940) am 17.05.2016
  5. Super-GAU (3.0/700) am 04.03.2015

Neue Kommentare

  1. Es gilt sich über Energiespeicher für die Nacht un... am 20.05.2017
    Der Wind dreht sich
  2. Den Konsequenzen - Hebel finden ich Klasse. Es ko... am 19.05.2017
    Entscheidend sind ihm wirksame Ergebnisse
  3. Das jemand Europameister im öffentlichen Reden wir... am 19.05.2017
    Die Top 3 Geheimnisse einer 5.000 Euro Rede
  4. Das Reformationsjubiläum ist ein guter Anlass, sic... am 19.05.2017
    Verantwortung übernehmen ist essentiell
  5. Ich halte es auch für wahrscheinlich, dass in Kürz... am 19.05.2017
    „2017 wird ein gutes Jahr! Aber ich habe Angst vor der Ahnungslosigkeit der Politik!"
 
Copyright © 2006-2017 OPS Netzwerk GmbH.
powered by SITEFORUM