Engagement

Deutsche Zahnärzte helfen mit Altgold Kindern in Brasilien

Seit fast 20 Jahren sammelt das «Hilfswerk deutscher Zahnärzte» altes Zahngold. Mit dem Erlös finanziert die Stiftung Hilfsprojekte für Kinder in Brasilien und anderen Ländern.
Alle zwei bis drei Jahre macht sich Klaus Winter ans Werk. Zusammen mit einigen Freiwilligen verschickt der Vorsitzende des «Hilfswerks deutscher Zahnärzte» rund 70 000 Briefe an sämtliche niedergelassenen Zahnmediziner in Deutschland mit der Bitte um altes Zahngold. «Der Erfolg ist überwältigend», sagt Winter. «Jedes Jahr erhalten wir bis zu 20 000 Umschläge mit alten Kronen oder Füllungen aus Gold im Wert von rund 1,5 Millionen Euro.» Mit dem Erlös aus dem Gold, das Patienten seiner Kollegen gespendet haben, kann Winter weltweit viele Hilfsprojekte vor allem für Kinder fördern.

Besonders aktiv ist das 1987 gegründete Hilfswerk in Brasilien. Im vergangenen Jahr hat sich die Stiftung im Amazonasgebiet in der Region von Manaus engagiert. «Wir kümmern uns dort in erster Linie um Straßenkinder», sagt Winter (geb. 12. 6. 1945). In Elendsvierteln von Sao Leopoldo und Santa Cruz do Sul sorgte die Hilfsorganisation dafür, dass Kinderzentren eingerichtet wurden. Auch im Indianerdorf Kaingang in Irai wurde ein Haus zur Versorgung bedürftiger Kinder gebaut.

Das Engagement habe sich sehr gelohnt, berichtet die Ordensschwester Aurelia Illy, nachdem sie die Projekte besucht hatte. «Dort wird gute Arbeit geleistet». Allein im Kinderzentrum Sao Leopoldo werden über 170 Jungen und Mädchen betreut. Sie erhalten Schulunterricht, bekommen Mahlzeiten und werden medizinisch versorgt. «Die Kinder machen alle einen gesunden und glücklichen Eindruck». In Irai kümmert sich die Einrichtung inzwischen um etwa 80 Indianerkinder.

Die Idee zur Gründung der Hilfsorganisation stammt von dem inzwischen verstorbenen Göttinger Zahnarzt Carl-Heinz Bartels. Er hatte schon 1980 damit begonnen, ausrangierte, aber noch funktionsfähige Geräte und Instrumente aus Zahnarztpraxen zu sammeln. Diese verschickte Bartels in Entwicklungsländer, wo er zunächst Einrichtungen für Leprakranke mit Zahnstationen ausstattete.

«Inzwischen haben wir mehr als 170 Zahnstationen in aller Welt eingerichtet«, sagt Winter, der im niedersächsischen Bad Lauterberg als Zahnarzt arbeitet. «Mittlerweile sind wir aber mehr und mehr dazu übergegangen, die Grundausstattung für die Zahnstationen in den jeweiligen Ländern zu kaufen». Aus Deutschland kommen dann nur noch größere Geräte.

Damit die vielen Sach- und Geldspenden bei wirklich bedürftigen Menschen landen, hat die Zahnärzte-Stiftung ein caritatives Netz aufgebaut. Dazu gehören der Lazarus-Orden und der Salesianerorden ebenso wie Mitarbeiter der deutschen diplomatischen Vertretungen. Sie helfen in den jeweiligen Ländern dabei, die Hilfsprojekte zu verwirklichen.

Sein Motiv für das jahrzehntelange Engagement sei sicher auch «die anerzogene christliche Nächstenliebe», sagt Klaus Winter. «Wenn man das Elend und die Not gesehen hat, in der viele Kinder leben», müsse man einfach etwas unternehmen. Dabei sei er im Lauf der Zeit zu einer wichtigen Erkenntnis gekommen: «Zu helfen ist etwas, was das Leben wertvoller macht».


Kontakt:
Stiftung Hilfswerk deutscher Zahnärzte:
Internet: http://www.hilfswerk-z.de/
E-Mail: http:[email protected]/

© dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH


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