Wirtschaftsgespräche

Der gemeinsame Wirtschaftsdialog zwischen Deutschland und der Türkei ist wichtiger denn je

Als Spezialist für internationale Wirtschaftsbeziehungen, stellt die DFK Consulting Group internationale Geschäftsverbindungen zwischen Unternehmen, Wirtschaftsverbänden, Behörden und Hochschulen her. Ein guter Grund für ein Gespräch mit den beiden Managern Tarkan Söhret und Jürgen Märkle über unternehmerische Verantwortung, die deutsch-türkischen (Wirtschafts-)Beziehungen und über das K-und-K-Prinzip (Konzept und Kümmerer).
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Das Interview führte der Mittelstandsexperte Christian Wewezow. Er ist Kuratoriumsvorsitzender der Oskar-Patzelt-Stiftung, Vorsitzender des Netzwerks der Besten, Geschäftsführender Gesellschafter der Clockwise Consulting GmbH und war Bundesvorsitzender der Wirtschaftsjunioren Deutschland.

PT Magazin: Das türkische Referendum selbst und dessen Ausgang in Deutschland hat vielen vor Augen geführt, wie es um die deutsch-türkischen Beziehungen steht. Wie schätzen Sie die Lage als Vorsitzender des Verbandes „DeutschTürkischer Wirtschaftsdialog“ ein, Herr Söhret?
Tarkan Söhret: Zunächst muss man sich einmal das Ergebnis genauer ansehen. Von den 3,5 Millionen in Deutschland lebenden Türken waren rund 1,5 Millionen wahlberechtigt und nur 700.000 davon haben ihre Stimme auch abgegeben. Für mich zeigt dieser Ausgang nur eines: Es ist umso wichtiger nun im Dialog zu bleiben, miteinander zu reden, um Ängste und Vorurteile abzubauen. Gerade im wirtschaftlichen Bereich schätze ich nicht, dass bestehende Beziehungen gekappt oder Brücken niedergerissen werden. Beim Mittelstand selbst rechne ich mit einer eher abwartenden und zögernden Haltung. Der Grund dafür ist einfach: Es gibt zu wenige Informationen über die Lage und wir haben in vielen Fällen ein falsches Bild. Hier wollen wir über unseren Wirtschaftsverband Abhilfe schaffen und wie der Name schon sagt: In Dialog treten, diesen jetzt erst recht auch fördern und verstärkt aufrechterhalten. Denn eines verbindet Unternehmer auf beiden Seiten: Sie wollen eine vernünftige Basis haben und gute Geschäfte machen. Davon darf uns die Politik nicht abhalten, auch sie muss das fördern.

PT Magazin: Wie ist das Selbstverständnis Ihres Wirtschaftsverbandes?
Tarkan Söhret: Der „DeutschTürkische Wirtschaftsdialog“ ist eine Wirtschaftsbrücke. Wir stellen regionale, bundesweite und internationale Geschäftsverbindungen zwischen der Deutschen und Türkischen Community her. Weiterhin bietet unser exklusives Netzwerk Networking auf hohem Niveau, Vortragsreihen, Fortbildungsseminare, Businessveranstaltungen und Kontakte mit Mehrwert.

PT Magazin: Was macht gemeinsame Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und der Türkei so interessant?
Tarkan Söhret: In der Türkei leben rund 80 Millionen Menschen, das Durchschnittsalter der Bevölkerung liegt bei um die 30 Jahre. Das macht die Türkei als Absatzmarkt spannend. Die Lage ist ein weiterer Vorteil: Die Türkei eröffnet auch Handelsbeziehungen zum asiatischen Markt, zu Länder wie dem Iran. Auch als Produzent und Hersteller von Handelsware bestehen zur Türkei bereits vielfältige Beziehungen mit deutschen Unternehmen. Auch diese Geschäftsbeziehungen wollen wir ausweiten und durch Dialog den interkulturellen Austausch fördern sowie konkrete Hilfestellungen leisten. Das wünschen sich viele deutsche Mittelständler und sie kritisieren, dass es diese von anderen Stellen oftmals nicht gibt. Aktuell haben 6.500 deutsche Unternehmen Beziehungen in die Türkei. Hier haben wir mit unserem Unternehmen Kooperationen mit großen Logistikpartnern geschaffen, um die Ware international transportieren zu können. Wir kümmern uns auch um die Einfuhr der Waren.

Jürgen Märkle: In Istanbul gibt es beispielsweise auch eine große, junge und innovative Start-Up-Szene. Deutsche Unternehmen und Konzerne haben hier mit verschiedenen Firmen bereits große Projekte am Laufen. Diese Start-Ups wollen wir auch als DFK Consulting Group weiter fördern. Immer vor dem Hintergrund und dem Wissen: Globales agieren bedeutet, immer Respekt vor den verschiedenen Kulturen zu wahren.

PT Magazin: Was war der interessanteste und spannendste Job für Sie?
Tarkan Söhret: Personal- und Fachkräftemangel ist derzeit ein zentrales Thema in Deutschland. Wir haben hier einen spannenden Ansatz entwickelt und suchen die Fachkräfte auch im Ausland konkret mit dem Ziel, dass die gewonnen Fachkräfte mittel- und langfristig bleiben. Hier geht es um die soziale Integration und die Begleitung der Menschen. Ein weiteres Projekt, bei dem wir uns engagieren ist die Türkisch-Deutsche Universität in Istanbul. Sie wurde gemeinsam von der Republik Türkei und der Bundesrepublik Deutschland gegründet, die Lehrsprache ist deutsch. Hier sind wir im Stiftungsvorstand und unterstützen das Projekt, indem wir Praktikumsplätze in Deutschland an die Studierenden in der Türkei vermitteln.

Jürgen Märkle: Wir haben uns am Anfang gefragt: Wie gehen die vorhandenen Institutionen mit dem Thema Fachkräftemangel um? Aus dieser Analyse haben wir ein neues Modell entwickelt. Es heißt ResIM. Das Re steht dabei für Recruiting, sI für soziale Integration und M für Manager. Auf Türkisch heißt resim Bild. Wir haben also ein Bild geschaffen, wie eine optimale Arbeitswelt aussehen kann.

PT Magazin: Was war für Sie der Grund, Unternehmer zu werden und was bedeutet es, Unternehmer zu sein?

Tarkan Söhret: Mit 21 Jahren habe ich mich selbständig gemacht nach meiner Ausbildung in der Bank. Ich wollte meine Ideen ohne unnötige institutionelle Beschränkungen verwirklichen können. Ich habe gesehen, dass nicht alle diese Vorgaben das Kundenwohl zum Ziel hatten. Ich hatte das Ziel eine bessere Beratung und bessere Dienstleistungen meinen Kunden zu bieten. Besser vor allem aus Sicht des Kunden.

Jürgen Märkle: Bevor ich mich 2016 selbständig gemacht habe war ich ebenfalls Angestellter bei verschiedenen Banken. Nach dem Finanzskandal von 2008 waren es vor allem Gewissensgründe und strategische Überlegungen der Grund für meinen Schritt in die Selbständigkeit. Was uns in unseren Werten als Unternehmen verbindet ist das Kundeninteresse. Das steht bei der Beratung an oberster Stelle und im Vordergrund all unserer Tätigkeiten.

PT Magazin: Was war der beste Rat, den Sie je bekommen haben?
Tarkan Söhret: Dass man nicht nur Konzepte hat und in der Theorie entwickelt, sondern dass man sich um die Umsetzung dieser Konzepte bemüht. Wir nennen es das K und K Modell.

Jürgen Märkle:
Das heißt: Konzept und Kümmerer. Das beruht auf den Erfahrungswerten im Umgang mit diversen Beratungsfirmen. Konzepte sind nur so gut wie der Kümmerer, der deren Umsetzung begleitet und vorantreibt.

PT Magazin: Vielen Dank für das Gespräch!
 

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