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Verantwortung übernehmen ist essentiell

Friedhelm Wachs über protestantische Führungskräfte
Friedhelm Wachs 2
Unternehmer Friedhelm Wachs – Verhandlungsexperte und Buch-Herausgeber (© Friedhelm Wachs)
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Peter Barrenstein | Wolfgang Huber | Friedhelm Wachs (Hg.) Evangelisch. Erfolgreich. Wirtschaften. Protestantische Führungskräfte sprechen über ihren Glauben edition chrismon 2016 | 320 Seiten Hardcover | ISBN 978-3-96038-006-1 EUR 24,90 [D]
Friedhelm Wachs, seit über 30 Jahren erfolgreicher Unternehmer, Berater und internationaler Verhandlungsexperte, ist Mitherausgeber des Buches „Evangelisch. Erfolgreich. Wirtschaften“. Für das PT-Magazin sprach Mittelstandsexperte Christian Wewezow mit ihm über Glauben, persönliche Verantwortung und wirtschaftlichen Erfolg und wollte von ihm wissen, wie eine erfolgreiche Verhandlung gelingt.

PT: In ihrem Buch „Evangelisch. Erfolgreich. Wirtschaften“ sprechen bekannte protestantische Führungskräfte über ihren Glauben. Wie kam es zu der Buchidee?

Wachs: Unternehmer haben in kirchlichen Strukturen immer noch mit Vorurteilen zu kämpfen und sehen sich vielerorts mit dem Vorwurf konfrontiert, sich nur bereichern zu wollen. Das ist ein falsches Bild. Mit diesem Buch wollte ich mit Bischoff Wolfgang Huber, dem ehemaligen Ratsvorsitzenden der EKD und Peter Barrenstein, dem AEU Vorsitzenden und ehemaligen McKinsey Personalchef ein positives Zeichen setzen und zeigen, wie verantwortungsvolles Wirtschaften im Einklang mit dem evangelischen Glauben aussehen kann.

PT: Persönlichkeiten, die sehr in der Öffentlichkeit stehen, geben persönliche Einblicke in ihr Leben und ihren Glauben. Was war für Sie besonders spannend?

Wachs: Mich fasziniert die Klarheit der Menschen, die sich in dieser Ellenbogenwelt auf die wirklich wichtigen Dinge konzentrieren: Auf den Menschen im Mitarbeiter, auf ihre Vorbildrolle und auf ihr Wissen um ihre Fehlbarkeit.

PT: Evangelische Unternehmer gelten als besonders erfolgreich. Stimmt das? Und woran könnte das liegen?

Wachs: Ja, das stimmt! Dazu gibt es tatsächlich Untersuchungen. Auch wenn es typisch protestantisch ist, dass wir das Wort „Erfolg“ eigentlich nicht gerne verwenden.

Ein wichtiger Grund für den Erfolg evangelischer Unternehmer liegt im protestantischen Arbeitsethos. Arbeit ist per se Gottesdienst. Wenn ich noch eine Stunde zusätzlich arbeiten und etwas schaffen kann, dann mache ich das, ohne lange zu zögern.

PT: Was bedeutet für Sie, mit dem Glauben führen?

Wachs: Menschenliebe und die Übernahme von Verantwortung sind die Hauptfaktoren: Ich sehe es als großes Problem und der Gesellschaft schadend an, dass in Politik und Management häufig versucht wird, Fehler zu überspielen und sich weg-zu-ducken. Im Zweifel möchte es keiner gewesen sein, wenn etwas schiefgeht. Man kann nicht die Früchte des Erfolges ernten wollen, aber den Misserfolg anderen überlassen.

Zu seinen Grundsätzen zu stehen und Verantwortung für die eigenen Handlungen zu übernehmen, ist für mich etwas sehr Zentrales für eine funktionierende Gemeinschaft.

PT: Alle Führungspersönlichkeiten sprechen über ihr wichtigstes Bibelwort: Welches ist Ihres?

Wachs: Besonders geprägt hat mich der Spruch über dem Schreibtisch meines Ur-Großvaters: Ein seel’ger Blick gen Himmel ist oft besser als ein falsch Gebet.

Außerdem ist mein Leitvers: „Und dienet einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes“ (1Petr 4,10; LUT). Bedeutet für mich: Die Diversität der Menschen ist ein Erfolgsfaktor.

PT: Im beruflichen Leben wirken Sie als ein weltweit erfolgreicher Berater und Verhandlungsexperte: Was bedeutet diese Arbeit für Sie?

Wachs: Für mich bedeutet Berater sein im besten Sinne des Wortes Unternehmer sein. Es geht darum, Menschen zu befähigen, ein Ziel zu erreichen. Dabei auf intrinsische Mittel beim Kunden setzen zu müssen, weil mir in der Regel das Machtinstrument direkter Hierarchie fehlt. Beratung braucht Menschenliebe.

PT: Sie sind ein bekannter Verhandlungsexperte, den auch große Unternehmen holen, wenn es um wichtige Entscheidungen geht. Wie vertragen sich Verhandlungsstrategie und christliche Prinzipien?

Wachs: Verhandeln ist, wie alles im Leben, eine Frage des persönlichen Stils, aber zuerst der richtigen Strategie. Werte und Haltung spielen für diese Strategie eine wichtige Rolle. Man muss sich immer am Anfang fragen: „Was treibt mich an und welche Strategie folgt daraus, um erfolgreich ans Ziel zu kommen?“

Im Vorfeld von Verhandlungen überlegen wir uns neben den Zielen auch die passenden Alternativen. Außerdem ist es wichtig, sich die Interessen und Optionen der anderen Seite vor Augen zu führen. Meine Verhandlungen führe ich an die Kultur des Gegenübers angepasst und immer mit Respekt vor den Menschen. Nur dann erziele ich auch in harten Auseinandersetzungen ein für den Kunden herausragendes Ergebnis.

PT: Haben Sie Verhandlungstipps für uns?

Wachs: Eine gute Vorbereitung ist das Wichtigste. Denken Sie „out of the box“. Nutzen Sie das eben Beschriebene. Führen Sie sich alle ihre Optionen vor Augen, begründen Sie sich Ihre Ziele und versuchen Sie, sich in die Lage des Verhandlungspartners einschließlich seiner Alternativen hinein zu versetzen. Wenn Sie dann das Ergebnis beherzigen, haben Sie schon vieles richtig gemacht.

Das Interview führte der Mittelstandsexperte Christian Wewezow. Er ist Kuratoriumsvorsitzender der Oskar-Patzelt-Stiftung, Vorsitzender des Netzwerks der Besten, Geschäftsführender Gesellschafter der Clockwise Consulting GmbH und war Bundesvorsitzender der Wirtschaftsjunioren Deutschland.

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Kommentare

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  • Reiner Hauthen
    Reiner Hauthen Wir sollten wirklich öfter in die Bibel sehen. Dort stehen viele Weisheiten, die man später mühsam in Coaching oder Therapie wieder lernen muss, weil man es im Laufe des Erwachsenwerdens vergessen hat. "Ein seel’ger Blick gen Himmel ist oft besser als ein falsch Gebet." gehört definitiv dazu. Gelassenheit ist gerade in einer oft hysterischen Zeit höchster Wert.
    13.05.2017
  • Heinz Klasten
    Heinz Klasten Sich in die Lage des Verhandlungspartners einschließlich seiner Alternativen hinein zu versetzen ist die Voraussetzung überhaupt. Immer wieder treffe ich in meiner Praxis Menschen, die nicht mal genau wissen, was sie selber wollen, und noch viel weniger einzuschätzen vermögen, was ihr Gesprächs- oder Verhandlungspartner will. Angstgetrieben, voller Misstrauen, kann man natürlich keinerlei Verhandlungserfolge erzielen. Im Gegenteil: Verlieren verlieren.
    14.05.2017
  • Ute L.
    Ute L. Arbeit ist per se Gottesdienst. Das gefällt mir. Leider wird Arbeitsethos in unserer Gesellschaft viel zu oft schlecht geredet. Entweder als Ausbeutung, oder Selbstausbeutung, oder gaga. Leider wird viel zu oft vergessen, dass es die Arbeit ist, mit sich die Menschheit aus dem Tierreich hochentwickelt hat. Nur durch das kreative und ausdauernde Schöpfen von Werten für andere lässt sich Gesellschaft aufbauen.
    14.05.2017
  • Martin Neumann
    Martin Neumann Das Reformationsjubiläum ist ein guter Anlass, sich gegenseitig zum Nachdenken über das eigene Selbst, über Arbeit und Familie zu motivieren. Wir tun das viel zu selten. Wie oft lassen wir uns hetzen statt in aller Ruhe ein Problem anzugehen und dann tatsächlich eine Chance zu haben.
    19.05.2017



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